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Philosophische Fakultät - Jahrgang 2016

 

Titel Neurobiologische Grundlagen interindividueller Unterschiede in Empathie
Autor Martin Melchers
Publikationsform Dissertation
Zusammenfassung Empathie ist eine zentrale menschliche Fähigkeit, die den erfolgreichen sozialen Austausch mit anderen ermöglicht. Menschen unterscheiden sich stark in ihren empathischen Fähigkeiten, weshalb sich die Frage stellt, wie diese interindividuellen Unterschiede erklärt werden können. Ziel dieser Dissertation war der Beitrag zur Klärung der Frage, welche biologischen (und insbesondere genetischen) Faktoren dazu beitragen, dass manche Menschen empathischer denken, fühlen oder handeln als andere.
Bei der Erforschung der Empathie stellt sich ein Messproblem, da es eine sehr große Vielzahl von Verfahren gibt (Fragebögen, Verhaltensbeobachtungen, biologische Marker…) mit denen Empathie erfasst werden kann. Da unklar ist, inwiefern diese Verfahren das Gleiche messen, wurde den biologischen Studien eine Vergleichsstudie vorangestellt, in der verschiedene Messverfahren für Empathie einander gegenübergestellt wurden. Zudem wurde eine Zwillingsstudie durchgeführt, um die generelle Erblichkeit von Empathie zu schätzen. Dies ist nötig, da die Suche nach Kandidatengenen, d.h. einzelnen Bereichen des Erbgutes, die putativ mit Empathie in einem Zusammenhang stehen, nur dann Sinn macht, wenn auch global von einem genetischen Einfluss auf Empathie ausgegangen werden kann.
Zur Klärung der eigentlichen Fragestellung wurde zum einen ein genetischer Polymorphismus (OXTR-Gen, rs2268498) untersucht, der Einfluss auf die Aktivität des Oxytocinsystems nimmt. Oxytocin ist ein zentrales Hormon im menschlichen Körper und wurde bereits mit vielen sozialen Prozessen assoziiert. Menschen, die sich genetisch bedingt in ihrer Oxytocinaktivität unterscheiden, sollten demnach auch unterschiedlich ausgeprägte empathische Fähigkeiten aufweisen. Gemessen wurden in diesen Studien die Fähigkeit zur Emotionserkennung sowie die Fähigkeit zur Erkennung sozialer Beziehungen. Zum anderen wurde untersucht, welche Hirnareale bei dem mit Empathie verwandten Fremdschämen aktiv sind (funktionelle Magnetresonanztomographie). Fremdschämen ist die menschliche Fähigkeit, sich für soziale Missgeschicke anderer stellvertretend zu schämen. Zentrale Theorien gehen davon aus, dass Menschen sich umso mehr fremdschämen, je besser sie sich in andere hineinversetzen können. Demnach lässt sich über Fremdschämen indirekt auch auf die biologischen Grundlagen von Empathie rückschließen.
Im Ergebnis zeigte sich, dass verschiedene Messverfahren für Empathie nicht vergleichbar sind, da sie auf die gleiche Person angewandt zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen kommen. Empathie ist der Schätzung nach zu ungefähr 50 % erblich, wobei sich je nach Facette noch Unterschiede ergeben. Auf molekulargenetischer Ebene spielt insbesondere der rs2268498 Polymorphismus eine zentrale Rolle für die Erklärung von interindividuellen Unterschieden in empathischen Fähigkeiten. Die Untersuchung zu Fremdschämen zeigt, dass Menschen, die sich ausgeprägt für andere schämen, eine höhere Aktivität in den Gehirnbereichen aufweisen, die für die (soziale) Perspektivübernahme und den Abruf von Normen zuständig sind. Auch die Aktivität in diesen Arealen wird über Oxytocin gesteuert.
Die Studien zeigen, dass bei der Erforschung von Empathie immer mehrere Messverfahren eingesetzt werden sollten um zu verhindern, dass nicht valide oder nicht übertragbare Ergebnisse entstehen. In Bezug auf genetische Einflussgrößen kann zum einen die große Bedeutung von genetischen Faktoren für empathische Fähigkeiten gezeigt werden. Zum anderen machen die Ergebnisse deutlich, dass insbesondere Unterschiede in der Aktivität bestimmter Gehirnareale beziehungsweise der Aktivität des Oxytocinsystems erklären können, warum manche Menschen empathischer sind als andere.
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© Universitäts- und Landesbibliothek Bonn | Veröffentlicht: 09.12.2016