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Philosophische Fakultät - Jahrgang 2015

 

Titel Erzählen vom Anfang
Schöpfungs- und Gründungsmythen im hochmittelalterlichen Island
Autor Sabine Heidi Walther
Publikationsform Dissertation
Zusammenfassung Ziel der Arbeit ist die Untersuchung von Schöpfungs-und Gründungsmythen im hochmittelalterlichen Island. Solchen mythischen Anfangserzählungen kommt für die Identitätsstiftung eine besondere Bedeutung zu. Es verwundert nicht, dass Island als erfolgreich neu besiedeltes Land, eine ganze Reihe von Gründungs- und Schöpfungsmythen entwickelt hat. Untersuchungsgegenstand sind unter anderem die eddischen Gedichte Grímnismál und Vafþrúðnismál sowie die historiographischen Werke Landnámabók und Íslendingabók. Bisherige Forschung betrachtete die isländischen Schöpfungsmythen oft komparativ und erklärte sie als indogermanisches Erbe. Die Gründungsmythen, also die Erzählungen über die Besiedlung Islands hingegen werden, da in historiographischen Werken überliefert, der Geschichtsschreibung zugeschlagen.
Die Arbeit untersucht mythische Anfangserzählungen in beiden Bereichen, wobei es wesentlich schien, als Arbeitsgrundlage zunächst eine Definition des Mythos für Island im 12. Jh. zu finden. In dieser philologisch-literaturwissenschaftlichen Arbeit werden Mythosdefinitionen von Walter Burkert, G. S. Kirk und Jan Assmann zugrunde gelegt. Assmanns Arbeiten zum kulturellen Gedächtnis bilden die wesentliche Grundlage, den Mythos als beweglich („rekonstruktiv“) und funktionell zu betrachten.
Es zeigte sich, dass die isländischen Autoren des Hochmittelalters sowohl im Bereich der Schöpfungsmythen als auch im Bereich der Gründungsmythen Denkformen und Erzählmuster aus der europäischen gelehrten Literatur des Hochmittelalters und der Bibel verwendeten. Es konnte festgestellt werden, dass die Mythen Züge des von Assmann definierten kulturellen Gedächtnisses aufwiesen, da kollektive Erzählungen entwickelt wurden, die je nach Zeitumständen für die Ausbildung der kollektiven Identität verwendet werden konnten. Es erwies sich aber auch, dass die Rolle einzelner Familien bei der Bildung dieser Erzählungen nicht unterschätzt werden darf, die diese Mythen durchaus in den Dienst der eigenen Interessen stellten.
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© Universitäts- und Landesbibliothek Bonn | Veröffentlicht: 04.12.2015