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Medizinische Fakultät - Jahrgang 2015

 

Titel Vitamin D und seine Bedeutung bei der HIV-Infektion
Eine Untersuchung zu Knochengesundheit und Vitamin D-Versorgung bei Patienten der HIV-Ambulanz des Universitätsklinikums Bonn
Autor Michaela Jäcker
Publikationsform Dissertation
Zusammenfassung In Deutschland lebten nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts im Jahr 2011 73.000 HIV-infizierte Menschen. Insbesondere durch verbesserte Therapiemöglichkeiten im Rah-men der antiretroviralen Therapie (ART) wird heute für die betroffenen Patienten von einer nahezu normalen Lebenserwartung ausgegangen. Medizinische Fragestellungen wie die Knochengesundheit sind dadurch in den Fokus einer alternden HIV-Population gerückt.
Eine Vitamin D3-Mangelversorgung wurde gehäuft in den letzten Jahren im Kontext der HIV-Infektion beobachtet. Der Status der Vitamin D3-Versorgungslage und der Knochen-gesundheit, sowie die Eignung des WHO FRAX-Rechners zur Risikoabschätzung einer osteoporotischen Fraktur in der HIV-Kohorte in Bonn sollten im Rahmen der vorliegenden prospektiven klinischen Studie untersucht werden. 337 Patienten wurden durch einen Fra-gebogen über u.a. Lebensweise, Osteoporose-Risikofaktoren und Frakturhistorie in die Studie eingeschlossen. Laborchemische Bestimmungen wie unter anderem des Vitamin D3-, sowie des Calcium- und Phosphatspiegels und auch HIV-spezifischer Parameter wur-den durchgeführt. Nach Auswahl einer Zufallsstichprobe von 60 Patienten konnte bei 25 eine Knochendichtemessung mittels DEXA-Scan realisiert werden. Schließlich wurde bei allen Patienten das individuelle Frakturrisiko mittels FRAX-Rechner ermittelt.
Bei 316 der 337 Probanden der HIV-Ambulanz in Bonn wurde der Vitamin D3-Spiegel be-stimmt; 80 % wiesen eine Vitamin D3-Unterversorgung auf. Hiermit in Verbindung stehen-de Faktoren waren eine afrikanische oder lateinamerikanische Herkunft, weibliches Geschlecht, ein erhöhter BMI, die Einnahme bestimmter ART-Medikamente (insb. Nevirapin) und ein geringes Ausmaß sportlicher Aktivität. Die Höhe der Viruslast oder der CD4-Zellzahl traten als Einfluss nehmende Faktoren nicht in Erscheinung.
Für einen zweiten Untersuchungsschritt wurden Patienten mit Vitamin D3-Spiegeln unterhalb von 20 ng/ml zufällig ausgewählt. Es konnte bei 25 Patienten eine Knochendichte-messung an der Lendenwirbelsäule (LWS) und Schenkelhals durchgeführt werden. Bei 56 % (Schenkelhals) bzw. 48 % (LWS) konnten Knochendichten im osteopenen bzw. osteoporotischen Bereich nachgewiesen werden. Die hier gemessenen Knochendichten lagen deutlich unter denen von HIV-negativen Probanden anderer Studien.
Der FRAX-Risikoscore, der auf einer überwiegend HIV-negativen Kohorte beruht, kann mit und ohne Einbeziehung einer Knochendichtemessung eingesetzt werden. Er wurde be-reits im HIV-Kontext verwendet, jedoch noch nicht für das deutsche Ländermodell. In un-serer Untersuchung zeigte sich ein deutlich höheres errechnetes Frakturrisiko unter Einbeziehung der Knochendichte gegenüber dem Ergebnis ohne Einbeziehung der Knochendichte. Dies liegt am ehesten daran, dass unsere Patienten eine deutlich niedrigere Knochendichte haben als in der Normalbevölkerung zu erwarten wäre. In seiner Standardform leistet der FRAX-Rechner keine zuverlässige Risikostratifizierung für die HIV-Population.
Eine Verbesserung der Risikoabschätzung auch ohne Einbeziehung der Knochendichte kann jedoch durch Angabe der HIV-Infektion als Form einer sekundären Osteoporose erreicht werden. Hierdurch erhöht sich die Anwendbarkeit des FRAX-Rechners ohne Angabe der Knochendichte in der medizinischen Versorgung von HIV-Patienten.
Zusammenfassend ist die HIV-Population besonders gefährdet Frakturen zu erleiden. Dies liegt an einer hohen Prävalenz eines Vitamin D3-Mangels, HIV- und ART-spezifischen Ne-benwirkungen auf die Knochengesundheit und damit einhergehend an einer deutlich erniedrigten Knochendichte in diesem Kollektiv. Ein Screening besonders gefährdeter Patienten – u.a. mit Hilfe des angepassten FRAX-Risikos – sollte rechtzeitig erfolgen, um geeignete Therapiemaßnahmen einzuleiten und negative Auswirkungen für die Betroffenen zu vermeiden.
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© Universitäts- und Landesbibliothek Bonn | Veröffentlicht: 20.11.2015