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Medizinische Fakultät - Jahrgang 2015

 

Titel Drogenkonsum und Delinquenz
Autor Lisa Grigoleit
Publikationsform Dissertation
Zusammenfassung Die Resultate der vorliegenden retrospektiven Studie zeigen keinen kausalen Zusammenhang zwischen dem Konsum illegaler oder legaler Drogen und speziellen Verhaltensweisen oder der Begehung bestimmter Straftaten. Es konnte kein statistisch signifikanter Zusammenhang zwischen stimulierenden Drogen und gewaltassoziierten Delikten festgestellt werden. Lediglich eine Tendenz zwischen einer Substanzbeeinflussung und der Begehung einer Straftat ist erkennbar.
Um zu diesem Ergebnis zu kommen, wurden chemisch-toxikologische Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Bonn in einem Zeitraum von neun Jahren (1997-2005) ausgewertet. Die Daten beziehen sich auf Tatverdächtige verschiedener Straftaten. Die Auftragszahlen haben sich in diesem Zeitraum verdreifacht, der Anteil der positiven Blutbefunde hat sich von 46,3 % im Jahr 1997 auf 77,7 % im Jahr 2005 erhöht. Der Anteil beiliegender Arztberichte hat sich von 56,9 % auf 92,7 % gesteigert, die polizeilichen Untersuchungsprotokolle zum psychophysischen Leistungsbild von Null auf 13,5 %. Steigende Auftragszahlen und hohe Anteile an Blutbefunden, die positiv auf Drogen, Medikamente oder Alkohol getestet wurden, zeigen nicht nur einen zunehmenden Konsum psychotroper und anderer berauschender Substanzen, sondern auch eine größere Sensibilisierung der zuständigen Behörden gegenüber dieser Problematik.
Die Ergebnisse zum Vorfallzeitpunkt ergaben erwartungsgemäß eine Häufung von Straftaten am Wochenende und im Zeitraum zwischen 21:00 und 04:00 Uhr. Die Länge des Zeitintervalls zwischen Straftat und Blutentnahme ist in den betrachteten neun Jahren annähernd unverändert geblieben.
Die Mehrheit des Untersuchungskollektivs ist mit 90,7 % männlich. Das Durchschnittsalter beträgt 27 Jahre, fast zwei Drittel (62,5 %) der Personen sind im Alter zwischen 18 und 30 Jahren.
Die am häufigsten nachgewiesene Substanz mit 54,9 % sind die Cannabinoide, gefolgt von den Benzodiazepinen mit 31,4 %, dem Kokain mit 28,4 %, den Opiaten mit 27,4 %, Methadon mit 16,8 %, Amphetaminen mit 11,7 % und anderen Substanzen mit 6 %. Beim Konsumverhalten hat in den Jahren 1997 bis 2005 ein Umbruch stattgefunden. Die positiven Analysen von Amphetaminen haben sich von 3,4 % auf 14,2 % mehr als vervierfacht, die auf Cannabinoide von 32,5 % auf 58,8 % fast verdoppelt und das Kokain hatte einen Zuwachs von 20,5 % auf 35 %. Demgegenüber fiel die Zahl der Opiatkonsumenten von 43,6 % auf 22,5 % auf fast die Hälfte, die der Benzodiazepinkonsumenten von 57,3 % auf 20,4 % auf fast ein Drittel. Die Zahl der Konsumenten anderer Substanzen ist von 12 % auf 2,8 % um mehr als den Faktor 4 gefallen. Bei isolierter Betrachtung von Ecstasy fällt ein hoher Konsum in den Jahren 2000 bis 2002 auf, der dann wieder rapide abfällt. Das Durchschnittsalter der Konsumenten von Amphetaminen (24,5 Jahre) und Cannabinoiden (25 Jahre) ist deutlich niedriger als das der anderen Probanden. Besorgniserregend ist die häufig durchgeführte und gefährliche Kombination verschiedener Substanzen untereinander oder mit Alkohol. Die höchste Kombinationsbereitschaft zeigen die mit Methadon substituierten Patienten mit 188 %. Die Cannabiskonsumenten zeigen mit 72,1 % mit Abstand die geringste.
Bei Betrachtung der beobachteten Deliktkombinationen und Kombinationen mit Substanzklassen fällt eine hohe Korrelation zwischen Eigentumsdelikten und BtMGVerstößen auf sowie zwischen Eigentumsdelikten und der Einnahme von Opiaten.
Bei Gegenüberstellung von Arztbericht und polizeilichem Untersuchungsprotokoll überwiegt die Anzahl der Auffälligkeiten bezüglich Gang, Sprache, Augen, Bewusstsein und Verhalten bei der Untersuchung durch den Polizeibeamten. Dies ist unter anderem in seinem Eintreffen in der akuten Intoxikationsphase begründet.
Bei Betrachtung der Konzentrations-Wirkungs-Beziehung fällt auf, dass Delinquenten mit niedrigen Blutkonzentrationen von Amphetaminen bzw. Morphin sehr viel häufiger als sediert eingestuft werden als solche mit hohen. Dieser Unterschied ist in beiden Fällen signifikant.
Beim Vergleich von Delikten und Auffälligkeiten bei Probanden mit einem Nachweis von Kokain bzw. BE konnten keine signifikanten Unterschiede festgestellt werden.
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© Universitäts- und Landesbibliothek Bonn | Veröffentlicht: 27.11.2015