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Medizinische Fakultät - Jahrgang 2015

 

Titel Evaluation von drei verschiedenen Messmethoden zur HbA1c-Bestimmung bei Patienten mit und ohne Niereninsuffizienz
Autor Sonja Peter geb. Kirchner
Publikationsform Dissertation
Zusammenfassung Diabetes mellitus ist durch eine Erhöhung der Blutglukose gekennzeichnet, die mit dem Risiko für schwere Begleit- und Folgeerkrankungen an zahlreichen Organsystemen verbunden ist. Im Verlauf ihrer Erkrankung entwickeln etwa ein Drittel der Diabetiker im Zusammenhang mit einer diabetischen Nephropathie Nierenkomplikationen. Gerade bei diesen Patienten ist die HbA1c-Bestimmung für die Behandlungsplanung von großer Bedeutung, um eine Progression der Nierenschädigung zu vermeiden oder zu verzögern. Insbesondere chronische Nierenerkrankungen erschweren aber die korrekte Messung und Interpretation dieses Wertes, da der HbA1c-Wert je nach Stoffwechsellage erhöht oder erniedrigt sein kann. Steigen die Blood-Urea-Nitrogen-Werte, so kann die Messung durch die Carbamylierung von Hämoglobin vor allem in der Ionenaustauschchromatographie und der Elektrophorese falsch hoch ausfallen. Tatsächlich ist der HbA1c-Wert bei Urämie methodenunabhängig erniedrigt. Es liegen Insulinresistenz, veränderte Insulinkinetik und verminderte Glukoneogenese vor, es kommt zu kürzerer Erythrozytenüberlebenszeit und hyporegenerativer Anämie. In dieser Arbeit wurden drei auf die International Federation of Clinical Chemistry and Laboratory Medicine Referenzmethode rückführbare Labormethoden miteinander verglichen. An einem Patientenkollektiv von 407 nephrologischen Proben und 217 Routineproben aus den Einsendungen an das Zentrallabor der Universität Bonn wurden mit Hochdruck-flüssigkeitschromatographie (Variant II von Biorad Laboratories®), Kapillarzonenelektro-phorese (CapillarysTM 2 Flex Piercing von Sebia®) und Immunoassay (Dimension RXL Max von Siemens Healthcare Diagnostics®) die HbA1c-Werte bestimmt. Die Ergebnisse dieser Studie zeigten, dass die HbA1c-Werte bei den Routineproben erwartungsgemäß um 0,2 bis 0,4 % höher lagen als bei den nephrologischen Proben. Zwischen den drei Messmethoden liegt außerdem eine sehr gute Korrelation vor. Die genauere Betrachtung der Kollektive hinsichtlich der Diagnosen zeigte bei chronischen Nierenerkrankungen einen höheren HbA1c bei den nicht dialysepflichtigen Stadien 1 bis 4, im dialysepflichtigen Stadium 5 ergeben sich niedrigere Messwerte. Das Kollektiv der nephrologischen Patienten ergab für alle drei Methoden eine schwach positive Korrelation zwischen HbA1c und Blood Urea Nitrogen-Konzentration (CapillarysTM 2 Flex Piercing 0,191; Variant II 0,207; Dimension RXL Max 0,224). Ein Einfluss von carbamyliertem Hämoglobin auf die HbA1c-Messung war vor allem für den Dimension RXL Max nicht zu erwarten, da Immunoassays gegenüber carbamyliertem Hämoglobin als unempfindlich gelten. Für die Kapillarzonenelektrophorese und Hochleistungs-flüssigkeitschromatographie gilt, dass die Geräte der neuen Generation wie der CapillarysTM 2 Flex Piercing und der Variant II nicht störanfällig gegenüber carbamyliertem Hämoglobin sind. Bei der Einordnung in drei Diagnosegruppen („Diabetes mellitus“, „Prädiabetes“ und „Unauffällig“) lässt sich für den Variant II festhalten, dass mit dieser Messmethode signifikant mehr Proben als unauffällig eingeordnet werden als mit den anderen beiden Methoden. In 88 % der Fälle erfolgte in der Subpopulation „Prädiabetes“/„Unauffällig“ durch den Variant II die Diagnose „Unauffällig“. In der Praxis ist eine intraindividuelle Kontinuität der Messmethode zu empfehlen, um den Verlauf der Blutzuckereinstellung anhand des HbA1c so zuverlässig wie möglich verfolgen zu können. Alle drei Analysesysteme sind für die Messung bei Routinepatienten sowie bei nephrologischen Patienten in der klinischen Routine gut geeignet.
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© Universitäts- und Landesbibliothek Bonn | Veröffentlicht: 26.11.2015