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Evangelisch-Theologische Fakultät - Jahrgang 2015

 

Titel Jüngerunverständnis
Zur Geschichte und Interpretation eines Motivs der Evangelien
Zugleich auch ein Beitrag zur Forschungsgeschichte des Messiasgeheimnisses im Markusevangelium
Autor Oliver Franzmann
Publikationsform Dissertation
Zusammenfassung „Jüngerunverständnis“ bezeichnet in der neutestamentlichen Wissenschaft ein Motiv, das besonders auffällig im Markusevangelium begegnet, aber auch in anderen kanonischen und apokryphen Evangelien in Erscheinung tritt.
Die vorliegende Arbeit stellt die wechselhafte Rezeptions- und Forschungsgeschichte dieses Motivs von seinen Anfängen im Neuen Testament bis zum Beginn der literaturwissenschaftlichen Exegese in den 70er-Jahren des 20. Jh. dar. Erstmals werden dazu Werke von ca. 100 Autoren aus 20 Jahrhunderten mit ihrem Bezug zum Jüngerunverständnis ausgewertet.
Zunächst wird der Befund an Jüngerunverständnis-Texten in den neutestamentlichen Evangelien erhoben und die innerneutestamentliche Rezeption untersucht. Anschließend wird die Geschichte des Jüngerunverständnis-Motivs und seiner Interpretation von der Alten Kirche bis in die frühe Neuzeit dargestellt. Ein dritter Teil behandelt die Forschungsgeschichte zum Jüngerunverständnis des Markusevangeliums.
Es ergibt sich, dass schon im NT die Tendenz sichtbar wird, das Jüngerunverständnis des Markusevangeliums einzugrenzen und so kirchlich zu „domestizieren“. Diese Tendenz verstärkt sich in den beiden folgenden Jahrhunderten, da sich die Frage der Jüngererkenntnis im Zentrum der Kontroverse zwischen orthodoxen und heterodoxen Gruppierungen befand. Erst in der antiochenischen Schule Ende des 4. Jh. können die Jüngerunverständnis-Texte unabhängig von aktuellen kontroverstheologischen Interessen gelesen werden. Aber auch im Mittelalter macht sich die Tendenz bemerkbar, das Jüngerunverständnis zu marginalisieren. Demgegenüber spielt es in einigen Predigten Martin Luthers eine beachtliche Rolle, mit dem er eine Reihe seiner fundamentalen Glaubenslehren und seine Kirchenkritik begründet. In diesem Zusammenhang wird schon in der Reformationszeit die Rede vom „Unverstand der Jünger“ als Fachbegriff etabliert. Die historisch-kritische Forschung des 18. und frühen 19. Jh. untersucht die Jüngerunverständnis-Texte vor allem in Bezug auf ihren historischen Wert. Die Bedeutung des Jüngerunverständnisses für das Markusevangelium erkennen als erste August Friedrich Gfrörer (1838) und Adolf Hilgenfeld (1850). Für die synoptische Frage wird das Jüngerunverständnis von Albrecht Ritschl (1851) ausgewertet. Die zweite Hälfte des 19.Jh. bringt historische, pädagogische und polemische Deutungen des Jüngerunverständnisses hervor. William Wrede (1901) stützt mit Hilfe des Jüngerunverständnisses seine Messiasgeheimnis-Theorie. Daraufhin wird das Jüngerunverständnis in der ersten Hälfte des 20. Jh. fast ausschließlich im Rahmen des Messiasgeheimnisses behandelt. Erst in der redaktionsgeschichtlichen Forschung tritt das Jüngerunverständnis allmählich aus dem Schatten des Messiasgeheimnisses und findet in den 60er- und 70er-Jahren des 20. Jh. breite Beachtung.
Wegen ihrer Bedeutung für die Interpretation des Jüngerunverständnisses wird m Rahmen dieser Arbeit auch die Forschungsgeschichte zum Messiasgeheimnis ausführlich behandelt.
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© Universitäts- und Landesbibliothek Bonn | Veröffentlicht: 21.07.2015