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Philosophische Fakultät - Jahrgang 2015

 

Titel Resonanzen und Repräsentationen der Alten Heimat
Musik und Musikkultur der Vertriebenen in der Bundesrepublik Deutschland
Autor Sarah Brasack
Publikationsform Dissertation
Zusammenfassung Im Kontext einer Erinnerungskultur, die sich als Folge der historischen Vorgänge von ‚Flucht und Vertreibung’ entwickelt, spielen musikkulturelle Handlungen als Mittel der Identitätsbildung in der Bundesrepublik Deutschland eine zentrale Rolle. Darauf verweisen u.a. zahlreiche Chöre und Musikvereinigungen, die im Umfeld der ab 1948 entstehenden Landsmannschaften agieren, z.B. bei Festakten oder lokalen und überregionalen ‚Heimat’-Abenden. Ausgehend von diesen kulturellen Akten, die als ‚Erbe der alten Heimat’ emotional aufgeladen und überhöht werden, lassen sich zahlreiche Umdeutungen und Transformationen, aber auch dezidiert politische Funktionalisierungen beobachten.
sikalischen Praxis einher geht die Etablierung einer (musik-)kulturellen Programmatik: Der in Zeitschriften, Liederbüchern und wissenschaftlichen Publikationen etablierte Diskurs weist Musik und musikalischer Folklore identitätsstiftende Inhalte zu. Für das Selbstbild der Landsmannschaften sind dabei auch Kategorien wie Volk, Stamm und Rasse konstitutiv: ein ethnisches Nationen-Konzept also, das ab Mitte des 19. Jahrhunderts zunehmend Relevanz erlangt und unter der nationalsozialistischen Herrschaft radikalisiert wird, von den Landsmannschaften nach 1945 aber durchaus – und hinsichtlich seines Missbrauchs im ‚Dritten Reich’ weitgehend unreflektiert – übernommen wurde.
Ist der Opferdiskurs das bestimmende Gründungsnarrativ nicht nur der Vertriebenenverbände, sondern auch der Bundesrepublik, lässt sich in den Jahrzehnten darauf – bis in die Gegenwart hinein – eine zunehmende Mehrschichtigkeit von Diskursen ausmachen, in denen alternative Perspektiven auf ‚Flucht und Vertreibung’ entworfen werden. Das zunächst eindeutig politisch funktionalisierte musikkulturelle Programm fungiert zunehmend als bloß symbolische Restitution einer ‚verlorenen’ Heimat und erhält musealen Charakter. Nach 1989 versuchen die Vertriebenenverbände, Einfluss auf die deutschen Minderheiten im östlichen Europa zu nehmen; dessen ungeachtet entstehen dort aber eigenständige, aus nationaler Perspektive hybride Formen einer (auch musikalischen) Erinnerungskultur, und es entwickeln sich alternative Dialoge und Handlungen, die neue Perspektiven auf das frühere und gegenwärtige Zusammenleben der Ethnien entwerfen.
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© Universitäts- und Landesbibliothek Bonn | Veröffentlicht: 08.06.2015