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Philosophische Fakultät - Jahrgang 2015

 

Titel Oxytocinerge Modulation von Stress und Angst
Effekte von exogenem Oxytocin auf neurale, physiologische, endokrine und behaviorale Reaktionen auf Stress- und Furchtreize
Autor Monika Sonja Eckstein
Publikationsform Dissertation
Zusammenfassung Die Erforschung des evolutionären Neuropeptides Oxytocin hat in den letzten Jahren einen beispiellosen Aufschwung erfahren. Nachdem begünstigende Effekte auf das Sozialverhalten bereits gut belegt sind und die Verträglichkeit und Anwendung über ein Nasenspray besonders schonend ist, stellt sich nun die Frage, welche Möglichkeiten für einen therapeutischen Gebrauch bestehen. Insbesondere liegen wenig relevante Daten für Störungen im Angstspektrum und der Stressregulation vor. In der vorliegenden Arbeit werden daher drei Studien beschrieben, welche die Effekte von intranasalem Oxytocin auf die Verarbeitung von Furcht- und Stressreizen untersuchen.
Während Tierstudien bereits vorliegen, sollte zunächst der translationale Schritt zu ersten Untersuchungen am gesunden Menschen gemacht werden. Hierzu wurden gesunde junge Männer jeweils entweder mit Oxytocin oder einem Placebo behandelt, bevor sie im funktionellen Magnetresonanztomographen untersucht wurden. Während der Aufzeichnung bearbeiteten die Probanden der ersten Studie eine Aufgabe, welche psychosozialen Stress induzierte. Oxytocin bewirkte eine erhöhte Wahrnehmung des Stresses, welche sich sowohl in den subjektiven Aussagen der Probanden wiederspiegelte, als auch in gesteigerter neuraler Aktivität in Gehirnarealen, welche für Stress und Selbstwahrnehmung bekannt sind. Dieses Ergebnis steht im Einklang mit anderen Studien, die eine veränderte Selbstwahrnehmung und eine verstärkte Salienz sozialer Rückmeldung belegen.
Im zweiten Projekt durchliefen Probanden eine Furchtkonditionierung nach Pawlow. Die Behandlung mit Oxytocin führte hierbei zu einer verbesserten Lernleistung im Sinne einer besseren Unterscheidung, welche Stimuli Gefahr anzeigen. Dies wurde sowohl im neuralen Angst-Netzwerkt als auch in Psychophysiologie und Verhalten sichtbar.
Für die dritte Studie durchliefen Probanden eine Extinktion der konditionierten Furcht nach Pawlow. Auch hier zeigte sich eine bessere Lernleistung in der Art, dass die Abwesenheit der vorherigen Gefahr schneller erkannt wurde und sich die Furchtreaktion auf die konditionierten Stimuli schneller zurück bildete. Dies wurde ebenfalls psychophysiologisch deutlich, sowie durch eine Dämpfung der neuralen Angstareale bei gleichzeitig verstärkter Aktivität der präfrontalen Kontrollareale. Die verbesserte Lernleistung ist evolutionär sehr schlüssig, wenn man sich vergegenwärtigt, dass Individuen mit hohen endogenen Oxytocinspiegeln, also beispielsweise Familien mit jungem Nachwuchs, im Laufe der Evolution auf besonders flexible Anpassungsmechanismen und Vorsicht vor Gefahren angewiesen waren.
Für die Anwendung im therapeutischen Bereich bergen die Ergebnisse der drei Studien wichtige Implikationen. Eine Behandlung von Stressregulationsstörungen durch Oxytocin erscheint eher kontraindiziert, gleichfalls eine prophylaktische Behandlung von Angst-Risikopatienten. Ermutigend sind die Ergebnisse jedoch in Hinblick auf die Augmentation von Expositionstherapie bei Patienten mit bestehenden Phobien. Vor dem Hintergrund bestehender Kontext- und Personenfaktoren müssen allerdings noch große Folgestudien, vor allem mit klinischen Stichproben, deutlichere Ergebnisse zutage fördern, bevor Oxytocin als Therapeutikum empfohlen werden kann.
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© Universitäts- und Landesbibliothek Bonn | Veröffentlicht: 08.06.2015