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Medizinische Fakultät - Jahrgang 2015

 

Titel Spektrum der primär sklerosierenden Cholangitis an den Universitätskliniken Bonn
Autor Theresa Charlotte Minkenberg
Publikationsform Dissertation
Zusammenfassung Die primär sklerosierende Cholangitis (PSC) ist eine chronisch cholestatische Lebererkrankung unklarer Genese, aus der sich im Verlauf eine Leberzirrhose und Leberversagen entwickeln kann, welche eine Lebertransplantation als einzige kurative Therapieoption notwendig macht.
Die vorliegende retrospektive Arbeit soll die Charakteristika der Patienten, die im Zeitraum vom 01.01.2001 bis zum 31.07.2011 an den Unikliniken Bonn aufgrund einer primär sklerosierenden Cholangitis behandelt wurden, untersuchen. Hierfür wurden insgesamt 60 Patienten identifiziert.
Der Großteil der Patienten war männlich (63,3 %). Zum Zeitpunkt der PSC-Diagnosestellung waren die Patienten durchschnittlich 34 Jahre alt. Die mittlere Zeit zwischen PSC-Erstdiagnose und Tod bzw. Lebertransplantation betrug 11 Jahre. Die Wahrscheinlichkeit, nach PSC-Erstdiagnose noch transplantationsfrei am Leben zu sein betrug nach 10 Jahren 100 %, nach 15 Jahren 88,6 % und nach 20 Jahren 67,8 %. Die PSC zeigte eine starke Assoziation mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED 63 % der Patienten), wobei die Colitis Ulcerosa (50 % der Patienten) gegenüber dem Morbus Crohn (15,8 %) dominierte.
Es wurden folgende Subgruppen der PSC-Patienten identifiziert und untersucht: junge vs. alte Patienten bei PSC-Erstdiagnose, rein intrahepatisches vs. kombinierte extra- und intrahepatisches Befallsmuster der PSC, Patienten mit und ohne chronisch entzündlicher Darmerkrankung und mit und ohne Autoimmunhepatitis, Lebertransplantierte und nicht- transplantierte Patienten, sowie zur Lebertransplantation gelistete und nicht gelistete Patienten. Es wurden zwei verschiedene Gipfel in der Altersverteilung bei erstmaliger PSC-Diagnosestellung identifiziert (16-40 Jahre und 41-80 Jahre). Beim Vergleich der beiden Altersgruppen zeigte sich, dass die jüngeren Patienten deutlich häufiger an chronisch entzündlichen Darmerkrankungen litten (72,4 % vs. 42,9 %) und der Autoantikörper ANCA viel häufiger positiv war als bei den älteren Patienten (73,3 % vs. 20 %). PSC-Patienten mit einer begleitenden chronisch entzündlichen Darmkrankheit schienen einen milderen Krankheitsverlauf zu haben als Patienten ohne diese Komorbidität. Sie zeigten seltener Zirrhosezeichen (47,4 % vs. 86,4 %) und deren Komplikationen als Patienten ohne CED.
Die Hälfte der PSC-Patienten dieser Studie wurde im Laufe ihrer Erkrankung für eine Lebertransplantation gelistet und 18 davon haben eine Lebertransplantation erhalten. Das durchschnittliche Alter bei Transplantation war 42 Jahre. Die mediane Zeit von PSC-Erstdiagnose bis zur Aufnahme auf die Warteliste betrug 14 Jahre. Die mediane Wartezeit auf der Transplantationsliste dauerte 14 Monate.
In der vorliegenden Arbeit wurden die Auswirkungen auf Wartezeit, Überleben und Laborwerte bei Listung vor und nach Einführung des MELD-Systems als Allokations-verfahren bei Lebertransplantationen im Jahre 2006 untersucht. Die Laborwerte Gesamtbilirubin, Kreatinin und INR waren bei Patienten mit Listung nach 2006 zum Zeitpunkt der Transplantation signifikant höher (8,11 vs. 2,27 mg/dl; 1,96 vs. 0,83 mg/dl; 1,35 vs. 1,1). Vor der MELD-Einführung betrug die mediane Wartezeit auf der Transplantationsliste 10 Monate und nach der MELD-Einführung 26 Monate. Die 1-, 2- und 5-Jahres-Überlebensraten betrugen vor 2006 100 %, 94,4 % und 94,4 % und nach 2006 100 %, 87,5 % und 87,5 %. Die Wartezeit auf der Liste war nach 2006 länger und auch das Überleben nach Listung war nach 2006 geringfügig schlechter, jedoch waren diese Unterschiede in beiden Fällen nicht signifikant. Das MELD-System scheint somit zwar ein angemessenes Allokationsverfahren für Lebertransplantationen zu sein, jedoch scheinen PSC-Patienten davon nicht stärker zu profitieren als vom vorherigen System.
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© Universitäts- und Landesbibliothek Bonn | Veröffentlicht: 13.04.2015