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Philososophische Fakultät - Jahrgang 2014

 

Titel Studien zu den kaiserzeitlichen Privatportraits aus Athen
Autor Ricarda Schmidt
Publikationsform Dissertation
Zusammenfassung Gegenstand der Untersuchung sind die in der römischen Kaiserzeit in Athen errichteten, rundplastischen Privatportraits. Im Fokus der Arbeit stehen die stilistische und ikonografische Analyse der Bildnisse sowie die Frage nach den Formen der statuarischen Repräsentation, den konkreten Aufstellungskontexten und schließlich, soweit möglich, nach Bedeutung und Funktion der einzelnen Monumente. Von zentralem Interesse war, inwieweit die Privatportraits in Athen an die Kaiserbildnisse oder an andere, auch lokalspezifische Vorbilder angeglichen sind. Ziel war es, zu klären, ob auf dem Gebiet der Bildniskunst, der Vorbilder und der Aufstellungspraktiken Unterschiede zu anderen Gegenden des Imperium Romanum, insbesondere Rom selbst, bestehen, inwiefern also Athen eine Sonderstellung einnahm und wie dies vor dem Hintergrund der besonderen Rolle der Stadt als Bildungszentrum in der römischen Kaiserzeit zu erklären ist.
Im Ergebnis zeigte sich, dass sich die kaiserzeitlichen Privatportraits aus Athen sowohl hinsichtlich des Stils als auch der Ikonografie weitgehend an der stadtrömischen Bildniskunst orientierten. Schon von augusteischer Zeit an, als Rom sich längst als Hegemonialmacht in Griechenland etabliert hatte, lässt sich eine große stilistische Ähnlichkeit zu den stadtrömischen Portraits beobachten, die nicht zuletzt darauf zurückgehen dürfte, dass die im klassizistischen Sinne wohlproportionierten Gesichter der Angehörigen des iulisch-claudischen Kaiserhauses dem griechischen Geschmack in besonderer Weise entsprachen. Im Rahmen der zunehmenden Konsolidierung des Imperiums im Verlauf der mittleren Kaiserzeit, die zur Entfaltung der griechisch-römischen Kultur in nahezu allen Provinzen führte, verschmolz schließlich die Kunst der jeweiligen Regionen noch stärker miteinander. Auch in Bezug auf die Ikonografie ergibt sich im Wesentlichen ein der Stadt Rom vergleichbares Bild: in den meisten Fällen bezog sich die athenische Oberschicht in ihrer Darstellung auf die Angehörigen des Kaiserhauses. Der Befund lässt dabei keinen Zusammenhang zwischen der Popularität eines Kaisers beziehungsweise seinen Aktivitäten in Griechenland und der Häufigkeit beziehungsweise Intensität der Übernahme seiner ikonografischen Charakteristika ins Privatportrait erkennen. Die Bezugnahme auf andere Vorbilder wie griechische Intellektuellenbildnisse der klassischen und hellenistischen Zeit lässt sich erst dann fassen, nachdem die Protagonisten der ruhmreichen Vergangenheit Athens in Rom auf breiter Ebene zu gesellschaftlichen Vorbildern wurden, an die Privatleute sich in ihren Bildnissen anglichen. Obwohl in Athen diese retrospektiven Strömungen durchaus auch als Ausdruck des lokalspezifischen kulturellen Selbstverständnisses zu interpretieren sind, zeigt all dies, dass sich die Stadt auf dem Gebiet der Portraitkunst nicht zu einem ‚Trendsetter’ entwickelte. Vielmehr wurden die von Rom ausgehenden Impulse weitgehend und in großer Einheitlichkeit übernommen. Dennoch lassen sich sowohl in formaler und ikonografischer Hinsicht als auch bezüglich der Aufstellungspraktiken bestimmte charakteristische Eigenheiten der athenischen Portraits greifen, die zeigen, dass sich die Stadt eine gewisse Eigenständigkeit auf diesem Gebiet bewahrte.
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© Universitäts- und Landesbibliothek Bonn | Veröffentlicht: 06.01.2015