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Philosophische Fakultät - Jahrgang 2014

 

Titel Untersuchungen zum „Informational Masking“ bei unilateral und bimodal versorgten erwachsenen Cochlea-Implantat-Trägern
Autor Verena Pyschny
Publikationsform Dissertation
Zusammenfassung Einleitung: Die Versorgung hörgeschädigter Personen mit einem Cochlea Implantat (CI) führt bei Kommunikation in ruhiger Umgebung i.d.R. zu einem guten Sprachverstehen. Kommunikationssituationen mit Hintergrundgeräuschen oder mehreren Sprechern stellen jedoch eine große Herausforderung für CI-Träger dar. Dies liegt hauptsächlich an der eingeschränkten spektralen Auflösung durch die CI-Signalverarbeitung.
In einer Kommunikationssituation mit mehreren Sprechern wird eine Störwirkung einerseits durch die Überlagerung spektraler Energie verursacht („Energetic Masking“, EM), andererseits wird durch die zusätzliche irrelevante Information des maskierenden Sprechers (Maskierer) das Verstehen des Zielsprechers behindert („Informational Masking“, IM).
Diese Arbeit untersucht, inwieweit CI-Träger einen Zielsprecher verstehen, wenn dieser durch einen simultan präsentierten Sprecher maskiert wird und welche Faktoren eine Verringerung des „Informational Masking“ begünstigen.
Methode: Auf Grundlage des in der Sprachaudiometrie verwendeten Oldenburger Satztests (OlSa) werden zwei Sprecher (Ziel- und Maskierersprecher) in unterschiedlicher Weise überlagert.
Im ersten Experiment wird untersucht, ob unilateral versorgte CI-Träger von Unterschieden im Pegel und Unterschieden in der Grundfrequenz zwischen Ziel- und Maskierersprecher hinsichtlich des Sprachverstehens profitieren.
Im zweiten Experiment werden bimodal (CI und Hörgerät (HG)) versorgte Probanden miteinbezogen. Hier soll untersucht werden, inwieweit ein zusätzliches HG das Sprachverstehen in einer Situation mit konkurrierenden Sprechern verbessern kann und IM reduziert wird. Unterschiedliche Sprecher werden durch künstlich manipulierte Grundfrequenzen und / oder Formantfrequenzen repräsentiert.
Das dritte Experiment beschäftigt sich mit der Frage, ob durch räumliche Trennung des Nutz- und des Störsignals das Sprachverstehen bei bimodal versorgten CI-Trägern verbessert werden kann. Zusätzlich zu Sprachmaskierern werden Rauschmaskierer einbezogen, um die Effekte von IM und EM besser beurteilen zu können. Im Falle der räumliche Signalquellentrennung kann ein zusätzlicher Hörgewinn der bimodal versorgten Probanden einerseits durch den rein physikalischen Kopfschatteneffekt und andererseits durch die beiden psychoakustischen Effekte: den binauralen Squelch und die binaurale Summation entstehen.
Ergebnisse: Die größte Verminderung der Störwirkung konnte bei unterschiedlichen Pegeln von Ziel- und Maskierersprecher aufgezeigt werden. Unterschiede in den Sprecherstimmen konnten nur
eingeschränkt genutzt werden, um einen Zielsprecher von einem Maskierersprecher abzugrenzen. Dies liegt vor allem an der reduzierten spektralen Auflösung der CI-Signalverarbeitung und der damit einhergehenden eingeschränkten Übertragung der Grundfrequenz. Auch ein HG auf dem zum CI kontralateralen Ohr erbringt diesbezüglich keinen zusätzlichen Nutzen. Es wird insgesamt mehr verstanden, was jedoch den Inhalt beider Sprecher (Ziel- und Maskierersprecher) betrifft. Die Stimmen der Sprecher können auch mit zusätzlichem HG nicht besser getrennt werden. Im Falle der räumlichen Trennung von Ziel- und Maskierersprecher wird das Sprachverstehen durch den Kopfschatteneffekt verbessert. Eine echte binaurale Verarbeitung zeigt sich nicht.
Außerdem zeigt sich bei dem Vergleich von Sprach- und Rauschmaskierern, dass die Effekte Kopfschatten, Squelch und Summation abhängig vom Maskierertyp unterschiedliche Änderungen erfahren.
Fazit: Kommunikationssituationen mit mehreren Sprechern stellen hohe Anforderungen an CI-Träger. Anders als bei normalhörenden Personen können stimmliche Unterschiede nur unzureichend genutzt werden, um Sprecher voneinander zu trennen. Somit sollte in Gesprächen mit mehreren Personen eher auf die unterschiedliche Lautstärke der Sprecher und ihre Position im Raum für ein besseres Verstehen geachtet werden.
Der Vergleich von Sprach- und Rauschmaskierern ist für die klinische Routine von Bedeutung. Hier werden Rauschmaskierer verwendet, um eine alltägliche Störgeräuschsituation der Patienten zu simulieren. Wie sich zeigt, reicht dies aber keinesfalls aus, um die Probleme widerzuspiegeln, denen CI-Träger im Alltag bei Kommunikation mit mehreren Sprechern begegnen.
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© Universitäts- und Landesbibliothek Bonn | Veröffentlicht: 18.09.2014