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Philosophische Fakultät - Jahrgang 2014

 

Titel Die preußische Peuplierungspolitik in den rheinischen Territorien Kleve, Geldern und Moers im Spannungsfeld von Theorie und räumlicher Umsetzung im 17. – 18. Jahrhundert
Autor Markus Zbroschzyk
Publikationsform Dissertation
Zusammenfassung Die Untersuchung preußischer Peuplierungspolitik in den rheinischen Territorien Kleve, Geldern und Moers im Spannungsfeld von Theorie und räumlicher Umsetzung vom Ende des Dreißigjährigen Krieges bis zum Beginn der Industrialisierung versucht aus einer historischgeographischen Perspektive eine theorie- und landesgeschichtliche Analyse zur Raumwirksamkeit frühneuzeitlicher Bevölkerungspolitik beizutragen. Da die Beziehungen zwischen Bevölkerungsentwicklung und Raum in der Frühen Neuzeit viel direkter und vielgestaltiger waren als heute, ist die Analyse zur Raumwirksamkeit bevölkerungspolitischer Maßnahmen in der Frühen Neuzeit ein sehr desiderables Unterfangen und liefert somit nicht nur einen Beitrag zur Historischen Geographie, sondern auch zur Grundlagenforschung geographischer und historischer Wissenschaft.
Da die durch peuplierungspolitische Verordnungen beeinflussten demographischen Veränderungen interaktive Rückkopplungseffekte im Spannungsfeld der „Mensch-Raum- Beziehung“ bewirkten und somit persistente Spuren in der Kulturlandschaft hinterließen, wird die Beschäftigung mit bevölkerungstheoretischen und peuplierungspolitischen Konzeptionen frühneuzeitlicher Regierungen auch aus einer historisch-geographischen Perspektive legitimiert. Neben der Peuplierungspolitik stand zudem der Gedanke optimaler räumlicher Ausnutzung landschaftlich gebundener Ressourcen zur Steigerung der Wohlfahrt absolutistischer Herrscher und des Staates im Vordergrund, der sich in zahlreichen Kolonisationsplänen, Urbarmachungen unkultivierter Landflächen und Neulandgewinnungen wirkungsmächtig und raumwirksam in der Genese der heutigen Kulturlandschaft niederschlug. In den drei Hauptabschnitten B, C und D wird aus einer historischgeographischen Perspektive ein analytischer Dreierschritt in Form der Trias „Theoriepreußische Peuplierungspolitik-Landschaft“ konzipiert, um so unter Einbeziehung des kulturlandschaftsgenetischen Ansatzes die Raumwirksamkeit frühneuzeitlicher Bevölkerungspolitik absolutistischer Herrschaften von bevölkerungstheoretischen Überlegungen über deren politische Umsetzung bis hin zur deren faktischen räumlichen Auswirkungen in der Ausgestaltung der Landschaft hervorzuheben.
Nicht nur in den preußischen Kernlanden, wie in der Forschung oftmals dargestellt, sondern auch in den rheinischen Territorien – wenn auch im Vergleich mit absoluten Zahlen in einem kleineren Maßstab – sind räumliche Spuren peuplierungspolitischer Verordnungen nachweisbar und zum Teil bis heute noch kulturlandschaftlich persistent. Die preußische Peuplierungspolitik am Niederrhein blieb trotz schwierigster administrativer Durchsetzung bevölkerungspolitischer Verordnungen und politischer Verhältnisse keine bloße „papierene“ Ansichtserklärung, sondern wurde tatsächlich vor Ort praktiziert und umgesetzt. Sowohl der Dreißigjährige als auch der Siebenjährige Krieg hinterließen eine räumliche Zerstörung und demographische Regression, die dank der preußischen Peuplierungspolitik behoben wurde. Bezogen auf die „stadtbezogene“ Peuplierungspolitik fanden vor allem zahlreiche Glaubensflüchtlinge (Handwerker, Manufakturisten, Fabrikanten) in den niederrheinischen Städten ein neues Zuhause, die mithilfe einer aktiven Anwerbungs- und Privilegienpolitik die von den zahlreichen Kriegen und Kriegszügen herrührenden wüsten Stellen wiederbesiedelten. So wurden z. B. im Kontext der „Retablissement-Politik“, also der Peuplierungspolitik nach dem Siebenjährigen Krieg, ca. 15% Siedlungsfläche und wüste Hausstellen mit Menschen wiederbevölkert. Am augenscheinlichsten wahrnehmbar werden die kulturlandschaftsgenetischen Prozesse raumrelevanter Veränderungen frühneuzeitlicher Bevölkerungspolitik am Niederrhein im Kontext der „landbezogenen“ Peuplierungspolitik, weil hierbei im Zuge binnenkolonisatorischer Urbarmachungs- und Kultivierungsmaßnahmen mithilfe meinst fremder Emigranten wüst und öd liegende Heideflächen in partiell blühende Siedlungen und Felder umgewandelt worden sind.
Es wurden Räume peupliert, sodass von Menschenhänden gestaltete, im Sinne frühneuzeitlicher Vorstellungen schöne Kulturlandschaften entstanden - Wälder wurden gerodet, Heideflächen umgegraben, sandige Böden mittels intensiver Düngung urbar gemacht, wüste Territorialgebiete auf meist königlichen Domänen mit schlechten Böden in partiell blühende Landstriche umgewandelt. Sowohl bei der „stadtbezogenen“ als auch bei der „landbezogenen“ Peuplierungspolitik sind erhebliche Spuren der Raumwirksamkeit preußischer Peuplierungspolitik und deren kulturlandschaftsverändernden Kraft im Rheinland preußischer Herrschaft erkennbar.
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© Universitäts- und Landesbibliothek Bonn | Veröffentlicht: 05.06.2014