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Landwirtschaftliche Fakultät - Jahrgang 2014

 

Titel Life cycle assessment of carbon and energy balances in Jatropha production systems of Burkina Faso
Autor Sophia Emilia Baumert
Publikationsform Dissertation
Abstract Modern bioenergy offers several advantages to Burkina Faso, a country that is heavily dependent on imported fossil fuel and greatly relying on traditional biomass use. In this context, Jatropha curcas has been recently introduced as a low-maintenance energy crop with the potential to increase energy security while contributing to land rehabilitation and climate change mitigation. This study identified J. curcas cultivation systems practiced in Burkina Faso and analyzed their biomass dynamics and carbon (C) accrual over time as well as soil-C stocks. These data, together with the information on J. curcas seed transformation processes, were integrated in a life cycle assessment (LCA) of the greenhouse gas (GHG) emission and energy-saving potential of the complete biofuel production pathways.
The studied J. curcas systems include interplanting with annual crops, intensely managed plantations, afforestation of marginal land, plantings along contour stone walls, and traditional living fences. Destructive above- and below-ground biomass determination enabled the identification of growth stages and development of allometric equations relating total shoot and root biomass with the stem diameter that showed very good fits (R²>0.9). Empirical growth models related woody biomass and tree age by a three-parametric non-linear logistic function. According to the model results, the biomass production of J. curcas plants peaked between the 10th and 15th year after planting, with intercropping and intensely managed systems showing the highest stock (21 t ha-1). Afforestation systems on marginal land had the lowest biomass stocks (<0.1 t ha-1), and could not be modeled due to drastic mortality at an early age in the absence of maintenance. Soil analysis did not reveal a clear trend of soil organic carbon (SOC) dynamics over time when comparing the soil carbon status in 4-year-old J. curcas sites with that in the reference cropland. Only J. curcas living fences exhibited significantly higher SOC stocks in the top 20 cm soil based on a chronosequence study covering 20 years of J. curcas cultivation.
All J. curcas production pathways showed GHG emission reductions and energy savings of up to 82% and 85%, respectively, as opposed to fossil fuel. Decentralized production of straight vegetable oil and its consumption in stationary diesel engines showed the best performance. However, J. curcas plantation systems had very low land-use efficiency (6.5-9.5 GJ ha-1) and thus a high land-use replacement potential. Carbon-stock gains were attained when introducing J. curcas on croplands. However, the displacement of agricultural activities to other areas can indirectly result in C losses. Human energy accounted for 24% of the total energy balance, indicating high manual labor requirements in small-scale J. curcas systems. Monetary valuation of C offsets via carbon trading schemes showed returns below US$ 350 over 20 years.
Overall, J. curcas biofuel production can contribute to climate change mitigation and national energy independency. However, due to low land-use efficiency, high labor requirements and the unsuccessful cultivation on marginal land, J. curcas becomes a direct competitor with food crops and is a not viable option for smallholder farmers. Whereas J. curcas cultivation is yet to be intensified through improved plant material and optimized agronomic management, the traditional hedge systems are a preferable option for seed production as they offer additional benefits of erosion control and field protection to farmers’ fields.
Zusammenfassung Ökobilanzierung der Kohlenstoff- und Energiebilanzen von Jatropha Produktionssystemen in Burkina Faso
Moderne Bioenergie stellt für Burkina Faso eine attraktive Alternative zu Erdölimporten und traditioneller Biomassenutzung dar. In diesem Kontext wurde Jatropha curcas bekannt als eine sehr anspruchslose Energiepflanze, dessen Anbau zur Rekultivierung von marginalen Standorten, zur nationalen Energieversorgung und zum Klimaschutz beitragen kann. Im Rahmen der vorliegenden Forschungsarbeit wurden existierende J. curcas Systeme in Burkina Faso identifiziert und auf ihre Biomasse- und Bodenkohlenstoff-Dynamik untersucht. Zusammen mit Informationen zur Weiterverarbeitung der Samen wurden alle Daten in einem Life Cycle Assessment (LCA) zur Berechnung der Treibhausgasemissionen und des Energieeinsparungspotenzials der J. curcas Bioenergie-Produktionssysteme zusammengeführt.
Insgesamt konnten fünf J. curcas Systeme identifiziert werden: Mischanbau mit einjährigen Kulturen, intensiv bewirtschaftete Plantagen, Aufforstung von marginalen Flächen, traditionelle Lebendhecken und Hecken entlang von Kontursteinmauern. Durch direkte Messungen von ober-und unterirdischer Biomasse der J. curcas Bäume konnten unterschiedliche Wachstumsphasen definiert und allometrische Modelle zur indirekten Biomassebestimmung entwickelt werden. Es zeigte sich eine sehr starke (R²>0.9) allometrische Beziehung zwischen sowohl Holz- als auch Wurzelmasse und Stammdurchmesser. Des Weiteren konnten empirische Wachstumsmodelle zur Vorhersage der Holzbiomasse in Abhängigkeit des Alters erstellt werden. Entsprechend der Modelle erreicht die Biomasseproduktion ihren Höhepunkt zwischen dem zehnten und fünfzehnten Wachstumsjahr. Jatropha curcas im Mischanbau und in intensiv bewirtschafteten Plantagen erreichte die höchsten Biomassewerte (21 t ha-1), während das Aufforstungssystem mit einer Biomasse von weniger als 0.1 t ha-1 die geringsten Werte aufwies. Aufgrund der hohen Mortalität der jungen Bäume auf den marginalen Standorten konnte das Biomassewachstum dieses Systems nicht modelliert werden. Vergleichende Bodenanalysen von vier Jahre alten J. curcas Standorten mit Flächen unter einjährigen Kulturen ergaben keine eindeutige Tendenz von Veränderungen des Bodenkohlenstoffs. Nur in einer Chronosequenz von Böden unter Lebendhecken über 20 Jahre konnte ein signifikanter Anstieg des Kohlenstoffs in den ersten 20 cm des Bodens festgestellt werden.
Für alle Produktionswege der J. curcas Bioenergie konnten eine bis zu 82% hohe Verringerung der Treibhausgasemissionen und bis zu 85% Energieeinsparungen im Vergleich zu fossilen Brennstoffen festgestellt werden. Die dezentrale Produktion von Pflanzenöl und dessen Verbrauch in stationären Dieselmotoren zeigte die besten Ergebnisse. Eine sehr geringe Landnutzungseffizienz (6.5-9.5 GJ ha-1) der J. curcas Plantagensysteme erhöhen jedoch den Druck auf andere Landnutzungsformen. Auch wenn die Integration von J. curcas in landwirtschaftliche Systeme zu einer größeren Kohlenstoffspeicherung führt, kann die Verdrängung der Nahrungsmittel von den Flächen zu indirekten Landnutzungsänderungen und dortigen Kohlenstoffverlusten führen. Zusätzlich bedarf die Kultivierung von J. curcas in kleinbäuerlichen Systemen einen sehr hohen körperlichen Arbeitsaufwand, der 24% der gesamten Energiebilanz konstituiert. Eine monetäre Bewertung der Kohlenstoffeinsparungen durch dessen Handel auf internationalen Märkten versprach nur geringfügige Erträge.
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass J. curcas Systeme in Burkina Faso sowohl zum Klimaschutz als auch zur Energiesicherung beitragen können. Durch die sehr geringe Landnutzungseffizienz, den hohen Arbeitsaufwand und die fehlende Ertragsleistung auf marginalen Standorten wird J. curcas jedoch zu einer direkten Konkurrenz zu Nahrungsmitteln und stellt keine praktikable Option für Kleinbauern dar. Solange der Anbau von J. curcas durch verbessertes Pflanzmaterial und optimiertes Management nicht intensiviert werden kann, sollte der Anbau von J. curcas in Heckensystemen vorgezogen werden. Diese bieten vielfältige Vorteile für die Bauern während die Samenproduktion zur Energieversorgung in ländlichen Gebieten beitragen kann.
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Sonstiges Diese Dissertation ist 2014 als Nummer 92 der Ecology and Development Series des Zentrums für Entwicklungsforschung (ZEF) der Universität Bonn erschienen. ISBN: 978-3-940124-45-6
© Universitäts- und Landesbibliothek Bonn | Veröffentlicht: 12.05.2014