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Philosophische Fakultät - Jahrgang 2013

 

Titel Siedlungsarchäologie von Cochabamba, Bolivien
Autor Christoph Döllerer
Publikationsform Dissertation
Zusammenfassung Cochabamba ist eine weitläufige Region an der Andenostflanke Zentral-Boliviens und charakterisiert sich durch zahlreiche große Talbecken und Bergzüge, welche vom Andinen Hochland hinab ins Tiefland Amazoniens führen. Aufgrund der Höhenstufe des Subparamo (2000-2700 m NHN) bei subtropischem Klima ist die Vegetation der Region Cochabamba eine Dornstrauch- und Kakteensteppe. In den durchfeuchteten Talbecken bildet sich zudem eine üppige Grünlandschaft mit hoher Artenvielfalt. Spätestens mit Beginn der Sesshaftigkeit vor etwa 3500 Jahren begannen die Menschen, den Standort Cochabamba vor allem in den Talbecken wirtschaftlich zu nutzen und dauerhaft zu besiedeln. „Siedlungsarchäologie von Cochabamba“ widmet sich der Untersuchung des größten Talbeckens der Region, dem Cochabamba-Tal, in welchem sich die gleichnamige Departments-Kapitale befindet. Dazu wurde ein Teilbereich des Tals von 114 km² obertägig begangen und alle auffindbaren prähistorischen Siedlungsreste aufgenommen. Die hauptsächlich festgestellte Siedlungsform sind große künstlich aufgeschüttete Hügel, welche entlang der damaligen Flusshochterrassen inmitten landwirtschaftlich nutzbarer Böden liegen. Demzufolge widmeten sich die Siedler vor allem dem Anbau von Mais, Hülsenfrüchten oder Pseudogetreiden. Neben der Prospektion fand eine archäologische Ausgrabung im größten erhaltenen Siedlungshügel „Qu-10 Sierra Mokho“ statt. Ein Profilschnitt lieferte die Stratigrafie der horizontal übereinander liegenden Schichten, welche von allen Kulturen der Region stammen. Der große Grabungsschnitt inmitten des Hügels erfasste die jeweiligen materiellen Hinterlassenschaften jeder einzelnen Kultur im Planum. Demzufolge wurde in „Qu-10 Sierra Mokho“ spätestens um 1100 v.Chr. mit dem Siedlungshügelbau durch die Formativ-Kultur begonnen. In den untersten und frühesten Schichten liegen zahlreiche Grabstellen mit beigabenreich beigesetzten Verstorbenen unterschiedlicher Altersklassen in einer geordnet angelegten Nekropole bzw. Totenstadt, welche die damalige Gesellschaftsstruktur mit komplexen Hierarchien wiederspiegelt. Dabei stehen große Steinkammergräber heraus. Ab etwa 700 v.Chr. wurden die Gräber aufgeschüttet und von runden Steinplattformen überbaut, welche wahrscheinlich als rituelle Versammlungsorte dienten. Von den Plattformen stehen linear verlaufende Mauern strahlenförmig ab und begrenzen bzw. unterteilen den umgebenden Raum, was auf der sozialen Gliederung beruhen könnte. Nach dem Ende der Formativ-Kultur um etwa 200 v.Chr. wurde „Qu-10 Sierra Mokho“ von der Tupuraya-Kultur ab 100 n.Chr. wiederbesiedelt, welche sich vor allem durch die ersten bemalten Keramikstile der Region charakterisiert. Auf den inzwischen verfüllten runden Plattformen errichteten die Siedler kleinere Gebäudekomplexe und legten in ihrem Umkreis Bestattungen und Opfergaben nieder. Cochabamba war Teil des Einflussgebiets der Tiwanaku-Kultur, welche sich ab 500 n.Chr. über das Titicaca-Becken hinaus ausbreitete. In „Qu-10 Sierra Mokho“ wurden die von Tiwanaku propagierten Kultformen übernommen. Die räumliche Anordnung von Gebäuden auf der Siedlungshügelkuppe entspricht dem Vorbild der Tempelpyramiden von Akapana und Kalassassaya in Tiwanaku. Ab 1100 n.Chr. endet der Einfluss Tiwanakus und „Qu-10 Sierra Mokho“ wurde, wie die meisten Siedlungen Cochabambas, spätestens bis zum Eintreffen der Inka um1450 geräumt. Während des Tawantinsuyu spielte die Region eine wichtige Rolle als Mais- und Coca-Anbaugebiet, welches sich bis heute kaum geändert hat. „Siedlungsarchäologie von Cochabamba“ beschreibt die Siedlungsprobleme einer 3000 Jahre währenden vorgeschichtlichen Besiedlung in einer der wichtigsten Regionen der südlichen Andenkordilleren.
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© Universitäts- und Landesbibliothek Bonn | Veröffentlicht: 24.07.2013