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Philosophische Fakultät - Jahrgang 2013

 

Titel Mehr Kinder durch weniger Familie?
Die Politik der Defamilialisierung und die niedrige Fertilität in Deutschland
Autor Stefan Fuchs
Publikationsform Dissertation
Zusammenfassung In der deutschen Familienpolitik fand seit 2002/2003 ein tiefgreifender Paradigmenwechsel statt. Bis dato galt der Ausgleich von Lasten und Leistungen der Kindererziehung als das zentrale Anliegen der Familienförderung. Für die neue, „nachhaltig“ genannte Familienpolitik spielt dieses Anliegen keine Rolle mehr; ihr Maßstab sind „kontinuierliche Erwerbsverläufe“ beider Eltern, von Müttern wie von Vätern. Auf dieses neue gesellschaftspolitische Leitbild sind die Reformen der letzten Dekade ausgerichtet – neben den der Familienpolitik im engeren Sinne kommt dem neuen Unterhaltsrecht hierfür eine Schlüsselrolle zu. Im Kern zielt diese Politik darauf, die Kindererziehung von der Familie hin zu öffentlichen Einrichtungen zu verlagern, um Erwerbstätigkeit und Familie insbesondere für Mütter vereinbar zu machen. Erklärtes Ziel dieser "Defamilialisierung" ist es, Geburten zu fördern: die Geburtenrate sollte "mittelfristig" auf 1,7 Kinder pro Frau steigen. Diese Erwartung beruhte auf der Annahme, dass Mängel der Vereinbarkeit von Beruf und Familie der zentrale Grund für das niedrige Geburtenniveau in Deutschland sind. Demgegenüber stellt diese Arbeit dar, dass die niedrige Fertilität in Deutschland nicht in "falschen" institutionellen Rahmenbedingungen, sondern langfristigen Prozessen sozialen Wandels begründet ist, die sich einer politischen Steuerung weitgehend entziehen. Die „Steuerungsresistenz“ des Geburtenverhaltens in hochzivilisierten Gesellschaften ist der zentrale Grund dafür, dass die „nachhaltige Familienpolitik“ ihr Ziel eines deutlichen Anstiegs des Geburtenniveaus verfehlt.
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© Universitäts- und Landesbibliothek Bonn | Veröffentlicht: 24.07.2013