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Medizinische Fakultät - Jahrgang 2013

 

Titel Trauma-Konzepte im historischen Wandel
Ein Beitrag zur Rezeptionsgeschichte der Posttraumatic-Stress Disorder in Deutschland (1980–1991)
Autor Alexandra Therese Katrin Lehmacher
Publikationsform Dissertation
Zusammenfassung Die Konzeptualisierung der psychiatrischen Diagnose Posttraumatic-Stress Disorder geht im Wesentlichen auf die Auseinandersetzung mit und Erforschung von psychischen Beschwerden ehemaliger Vietnamkriegsveteranen in den USA zurück. Seit ihrer erstmaligen Aufnahme als diagnostische Kategorie in das offizielle amerikanische Klassifikationssystem DSM–III im Jahre 1980 nahm das wissenschaftliche Interesse an der Erforschung von psychischen Folgeerscheinungen nach Traumata in der westlichen Welt beständig zu. In Deutschland hingegen wurde in der über 100jährigen Geschichte des Traumabegriffes die Debatte über Trauma als pathogenetische Entität und dessen Krankheitswert über Jahrzehnte hinweg äußerst kontrovers geführt. Erst infolge der erstmaligen Etablierung der PTSD in den USA fand das Krankheitskonzept auch in Deutschland breiten Zuspruch und Akzeptanz. Bereits elf Jahre später, 1991, wurde eine entsprechende diagnostische Kategorie, die Posttraumatische Belastungsstörung, in das in Deutschland geltende Klassifikationssystem ICD-10 aufgenommen. Inzwischen befindet sich die Psychotraumatologie in einem rasant fortschreitenden Institutionalisierungsprozess. Die vorliegende Dissertation gibt zunächst einen Überblick über die Begriffsgeschichte des psychischen Traumas sowie die Rahmenbedingungen, die in den USA zur Konzeptualisierung der PTSD führten. Vor diesem Hintergrund wird die Rezeption der in den USA etablierten und neu konzeptualisierten Krankheit PTSD unter deutschem Fachpersonal untersucht. Dies geschieht anhand der Auswertung von Beiträgen in den Fachzeitschriften Deutsches Ärzteblatt, Nervenarzt und Psyche. Ergebnis dieser Auswertung ist, dass das der PTSD zugrunde liegende und in den USA entwickelte Traumakonzept in medizinisch-psychologischen Expertenkreisen in Deutschland in den 1980er Jahren kaum Beachtung fand. Doch die Diskussion um psychische Folgeschäden nach einschneidenden „traumatischen“ Lebensereignissen war in Deutschland in den 1980er Jahren hoch aktuell. Der wesentliche Unterschied bestand darin, dass in Deutschland zwar über mögliche Formen von „Traumafolgestörungen“ diskutiert wurde, jedoch ohne diese im Sinne einer spezifischen diagnostischen Kategorie zu besprechen und ohne sich auf das amerikanische PTSD-Konzept zu berufen. Zeitzeugeninterviews dienten als zusätzliche Quelle um zu untersuchen, auf welchen deutschlandspezifischen Wissensbeständen die besonderen Merkmale der Traumadebatte in Deutschland in den 1980er Jahren beruhten, da sich diese scheinbar nicht auf das neu entwickelte amerikanische PTSD-Konzept zurückführen ließ. Es zeigte sich, dass, angestoßen durch das „Bundesgesetz zur Entschädigung für Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung“, das wissenschaftliche Interesse an der Erforschung von psychischen Traumafolgestörungen in der deutschen Psychiatrie bereits Ende der 1950er Jahre bedeutend zugenommen hatte. Dies geschah in reger Interaktion mit amerikanischen medizinisch-psychologischen Experten vor dem Hintergrund einer durch die USA forcierten Wiedergutmachungspolitik in der Bundesrepublik Deutschland. Eine Verzahnung amerikanischer und deutscher Wissenschaftler, die sich mit Traumafolgestörungen auseinandersetzten, war somit bereits vor der Etablierung des PTSD-Konzepts im Jahr 1980 gegeben. Des Weiteren ließ sich ab etwa Mitte des 20. Jahrhunderts in der westlichen Welt eine veränderte Wahrnehmung über die Beschaffenheit des Menschen ausmachen. Die Persönlichkeit des Menschen wurde in zunehmendem Maße als durch seine soziale Umwelt veränderbar und formbar erlebt. Dem Einfluss von Traumata auf die menschliche Psyche wurde in diesem Rahmen eine wesentliche Bedeutung beigemessen. Der speziell in den 1980er Jahren in Deutschland geführte Diskurs ist zudem charakterisiert durch eine Übertragung dieser Gedankengänge in unterschiedlichste Lebensbereiche. Die Auswirkungen von Traumata auf die menschliche Psyche wurden fortan im Zusammenhang nicht nur mit Ausnahmesituationen (wie beispielsweise Kriege, Folter, Umweltkatastrophen) sondern auch im Zusammenhang mit Situationen des zivilen, „alltäglichen“ Lebens (wie beispielsweise Krankheit, Verlust von Angehörigen, Verkehrsunfälle, „Mobbing“ etc.) besprochen. Im Rahmen der Bestrebungen das von der American Psychiatric Association herausgegebene amerikanische Diagnosesystem DSM-III an das von der World Health Organisation herausgegebene ICD-10 anzugleichen, fanden die zahlreichen Forschungsansätze zu Traumafolgestörungen ihre Entsprechung im ICD-10 als Posttraumatische Belastungsstörung, was in breiter Anlehnung an das amerikanische PTSD-Konzept geschah.
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© Universitäts- und Landesbibliothek Bonn | Veröffentlicht: 04.12.2013