Hinweis zum Urheberrecht | Allgemeine Informationen | FAQ
Beim Zitieren dieses Dokumentes beziehen Sie sich bitte immer auf folgende URN: urn:nbn:de:hbz:5-28343

 

Philosophische Fakultät - Jahrgang 2012

 

Titel Die Knochenartefakte der Loma Salvatierra, Nordost-Bolivien
Autor Annette Kühlem
Publikationsform Dissertation
Zusammenfassung Die Arbeit befasst sich mit den Knochenwerkzeugen, die in der Loma Salvatierra, einem Siedlungshügel im Nordosten Boliviens, gefunden wurden. Die Loma Salvatierra liegt in den sog. Llanos de Moxos, einer ca. 110 000 km² große Überschwemmungssavanne. Dieses Gebiet ist trotz widriger Umweltbedingungen und nährstoffarmer Böden übersäht von zahlreichen Erdwerken, wie Dämmen, Kanälen, Hügelbeeten und Siedlungshügeln wie der Loma Salvatierra. Die Überschwemmungssavanne war also in präspanischer Zeit dicht besiedelt, wobei die dort lebenden Menschen ihre Umwelt aktiv gestaltet haben.
Das Gebiet zeichnet sich durch eine geologische Auffälligkeit aus: Aufgrund von tiefgründiger Verwitterung von leicht erodierbaren unterliegenden Gesteinen treten an der Oberfläche keine Festgesteine auf. Steinwerkzeuge, die für das Bearbeiten von Knochen benutzt werden könnten, wurden bei den Ausgrabungen in der Loma Salvatierra nicht gefunden. Tierknochenfunde hingegen wurden in großer Menge gemacht. Während es sich bei dem Großteil der Knochen um Speiseabfälle handelt, kommen doch eine Vielzahl von bearbeiteten Knochen vor. Die Knochenartefakte deckten ein weiten Funktionsspektrum ab, so dass primär fünf funktionale Kategorien definiert wurden: Werkzeuge und Gerätschaften, Schmuck, Musikinstrumente, Artefakte mit unbestimmbarer Funktion und Produktionsabfälle. Innerhalb dieser funktionalen Kategorien wurde eine Typologie erstellt, es wurde anhand von Bearbeitungsspuren untersucht, wie die Artefakte hergestellt wurden, Makrospuren gaben Aufschluss darüber, wie und wofür sie benutzt wurden. Bei dem Großteil der Artefakte handelt es sich um Spitzen, die – wie sich anhand von Handglanz und Bearbeitungsspuren nachweisen ließ – geschäftet waren und somit wohl als Projektile dienten. Bei der Herstellung der Artefakte und der Bearbeitung und Knochen wurde der Mangel an lithischem Rohmaterial geschickt kompensiert: Die Schneidezähne von zahlreich vorkommenden Nutriaarten und Wasserschweinen wurden als Multifunktionswerkzeug zum Schneiden, Ritzen und Bohren verwendet. Keramikscherben dienten als Pfeilschaftglätter.
Eine zoologische Analyse ließ erkennen, dass vor allem Hirscharten für die Herstellung der Knochenartefakte benutzt wurden. Die diachrone Auswertung hingegen konnte nur wenig zur Chronologie des Fundortes beitragen. Anders als die Keramiksequenz, aufgrund derer fünf Besiedlungsphasen definiert werden konnten, sind die Knochenartefakte chronologisch relativ unempfindlich. Nur über die prozentuale Häufung verschiedener Spitzentypen ließen sich im Verlaufe der Zeit Wechselwirkungen zwischen dem vermehrten Auftreten der verschieden Spitzen nachweisen. Das Vorkommen von mehreren distinktiven Schmucktypen ausschließlich in der Phase 3 deutet darauf hin, dass in dieser Besiedlungsphase mehr Zeit und Energie für die Herstellung von nicht-funktionalen Artefakten zur Verfügung stand. Im Rahmen der funktionalen Analyse der verschiedenen Grabungsbereiche der Loma Salvatierra zeigte sich, dass sich auch über Knochenfunde nachweisen lässt, welcher Teil des Siedlungshügels primär für welche Art von Tätigkeiten benutzt wurde.
Einige außergewöhnliche Gräber, die reich mit Beigaben und Trachtbestandteilen aus Knochen und Muschel ausgestatten waren, deuten darauf hin, dass die tierischen Rohstoffe eine hohe soziokulturelle Bedeutung nicht nur für subsistenzbezogene Tätigkeiten wie die Jagd hatten, sondern auch als Prestigeobjekte dienten.
Inhaltsverzeichnis pdf-Dokument Hier können Sie den Adobe Acrobat Reader downloaden
Komplette Version pdf-Dokument (110 MB) Hier können Sie den Adobe Acrobat Reader downloaden
© Universitäts- und Landesbibliothek Bonn | Veröffentlicht: 06.06.2012