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Medizinische Fakultät - Jahrgang 2012

 

Titel Das Interleukin 6-System bei Alzheimer Demenz
Autor Karin Beate Becker
Publikationsform Dissertation
Zusammenfassung Interleukin-6 (IL-6) ist ein multifunktionelles Zytokin, das eine wichtige Rolle in der Pathogenese der Alzheimerdemenz (AD) spielt. Die funktionellen Effekte des IL-6 werden durch einen speziellen Rezeptorkomplex, bestehend aus einem IL-6-bindenden Glykoprotein, dem gp80 beziehungsweise IL-6-Rezeptor (IL-6R), und einem für die Signaltransduktion verantwortlichen Glykoprotein, dem gp130, vermittelt. Studien, welche die löslichen Formen dieser Parameter (IL 6, sIL-6R und sgp130) in Plasma und Liquor bei Alzheimerpatienten untersuchten, kamen bislang zu widersprüchlichen Ergebnissen. In der vorliegenden Studie wurde untersucht, in wieweit die genetische Heterogenität das Ausmaß der Konzentrationsunterschiede von IL-6, sIL 6R und sgp130 beeinflusst, ob es Unterschiede in Abhängigkeit von Alter, Geschlecht und Erkrankungsschwere gibt und ob Zusammenhänge zwischen zentralen und peripheren Prozessen gemessen werden können.
Bei 58 Alzheimerpatienten und 25 Kontrollen, bestehend aus Patienten, die an anderen psychiatrischen Erkrankungen (Depressionen, leichte Gedächtnisstörungen, vaskuläre und alkoholabhängige Demenz) litten, wurden IL-6, sIL-6R und sgp130-Konzentrationen im Plasma und Liquor gemessen und der Polymorphismus Apolipoprotein E (ApoE) und IL-6-Genotyp (IL 6prom und IL-6vntr) genotypisiert. Wir fanden bei Alzheimerpatienten im Vergleich zu den Probanden der Kontrollgruppe höhere sIL-6R-Konzentrationen im Plasma und in beiden Gruppen korrelierte IL-6 im Plasma mit dem Alter. Außerdem konnten wir bei Alzheimerpatienten eine positive Korrelation von sgp130 im Plasma mit dem Alter darstellen.
Darüber hinaus konnten wir bei Alzheimerpatienten einen Zusammenhang zwischen erhöhten sIL-6R-Spiegeln und der genetischen Variabilität des IL-6-Gens, das heißt mit dem VNTR- und Promoterpolymorphismus, herstellen. Patienten die Nichtträger des IL-6vntr*C-Allels waren, hatten sowohl im Plasma als auch im Liquor signifikant höhere sIL-6R-Konzentrationen. Eine ähnliche Beobachtung konnte für den IL 6prom*CC- Genotyp gemacht werden. Bei IL-6prom*C-homozygoten Trägern hatten Patienten im Plasma und im Liquor höhere sIL-6R-Konzentrationen als Kontrollen. Des Weiteren gibt es Hinweise dafür, dass sich zentrale Prozesse in der Peripherie messen lassen und auch Zusammenhänge des IL-6-Signaltransduktionssystems darstellbar sind. In beiden Gruppen korrelierte der sIL-6R im Plasma mit dem sIL-6R im Liquor. Bei Alzheimerpatienten war eine signifikante Beziehung von IL-6 und sgp130 im Plasma, sowie von sIL-6R und sgp130 im Liquor nachweisbar.
Obwohl die Studie durch ihre kleine Fallzahl und die Tatsache, dass es sich bei der Kontrollgruppe nicht um ausschließlich gesunde Probanden handelt, limitiert ist, liefert sie wertvolle Hinweise dafür, dass Messungen von IL-6 und seinen Rezeptoren sinnvoll sind, um die Bedeutung inflammatorischer Prozesse für die Pathogenese der AD zu verstehen und zu bewerten und dass möglicherweise genetische Veränderungen des IL-6 zu messbaren Veränderungen des IL 6-Signaltransduktionssystems führen.
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© Universitäts- und Landesbibliothek Bonn | Veröffentlicht: 23.07.2012