Ausländische Direktinvestitionen in der Agrarindustrie

Lucie Adenäuer

Zusammenfassung

 

Seit 2003 ist weltweit ein deutlicher Anstieg ausländischer Direktinvestitionen (FDI) zu beobachten. Dies trifft vor allem für den Agrarsektor zu. Eine detaillierte Analyse dieser Entwicklung hat bislang in der wissenschaftlichen Literatur nur begrenzt stattgefunden. Aus diesem Grund beabsichtigt die folgende Arbeit, verschiedene Aspekte von FDI im Agrarsektor zu analysieren. Dabei wird unter anderem auf die verschiedenen Mechanismen, die zu einem verstärkten Auftreten von FDI im Agrarsektor führen, sowie die (sozio-)ökonomischen Effekte, welche diese in den Zielländern hervorrufen, eingegangen. Als Zielregionen im Agrarsektor werden Afrika und Südamerika identifiziert. Dem entgegen stellt sich die EU15 als einer der bedeutendsten Investoren im Agrarsektor dar. Die folgende Abhandlung ist in vier Abschnitte unterteilt.

Zu Beginn wird eine allgemeine Erläuterung zur globalen Entwicklung von FDI gegeben, welche durch eine theoretische Einordnung der Arbeit, deren Zielsetzung und der darin enthaltenen Analysen ergänzt wird. Abschließend werden die Ergebnisse der Arbeit und die zugrunde liegenden Einschränkungen der wissenschaftlichen Untersuchungsmethoden diskutiert.

Darauf folgend werden Eigenschaften europäischer Agrarunternehmen identifiziert, welche eine grundsätzliche Differenzierung zwischen Unternehmen, die FDI tätigen (multinationale Firmen) und solchen, die keine FDI tätigen, ermöglichen. Dabei wird gezeigt, dass multinationale Firmen durch eine höhere Produktivität und geringere Lohn- und Inputkosten gekennzeichnet sind. Des Weiteren sind sie größer und haben einen höheren Fremdkapitalanteil.

Die daran anschließende Analyse identifiziert die Eigenschaften verschiedener Zielregionen von FDI Strömen, welche den Anreiz für FDI geben (sowohl vertikal als auch horizontal). Dabei werden die Mittelmeer- und Mercosur-Länder als Zielregionen für FDI aus der EU15 untersucht. Die Ergebnisse der durchgeführten Regressionsanalyse weisen darauf hin, dass vor allem vertikale FDI Flüsse (efficiency seeking) zwischen der EU15 und den Mittelmeerländern stattfinden, wohingegen horizontale FDI Flüsse (market seeking) im Falle der Mercosur-Länder dominieren. Die Einflüsse auf den Handel zwischen den Ursprungs- und Zielregionen scheinen daher komplementär für die Mittelmeer- Länder und substitutional für die Mercosur-Länder zu sein.

Der letzte Analyseaspekt beleuchtet den Einfluss stark steigender FDI Ströme auf eine spezifische Zielregion: Äthiopien. Die zugrunde liegende Theorie deutet darauf hin, dass, abhängig von der Existenz von Transmissionsmechanismen, FDI zu ökonomischem Wachstum und dadurch zur Reduktion von Armut beitragen können. Die detaillierte Betrachtung von Äthiopien bestätigt diese These. Armut kann durch FDI Ströme reduziert werden und die ökonomischen Effekte sind überwiegend positiv. Demgegenüber treten verstärkt Umweltkonflikte auf und werden sich weiter verstärken, falls kein entsprechendes politisches Rahmenwerk implementiert wird.

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© Universitäts- und Landesbibliothek Bonn | Veröffentlicht: 10.06.2011