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Philosophische Fakultät - Jahrgang 2011

 

Titel Potenziale und Risiken älterer Kraftfahrer mit Unfällen und ihre Darstellung in der Lokalpresse
Autor Sophie Birck
Publikationsform Dissertation
Zusammenfassung Der demographische Wandel bedingt eine Alterung der Gesellschaft, die sich in den nächsten Jahren noch verstärkt auswirken wird. Schätzungen sprechen davon, dass in Deutschland im Jahr 2060 jeder Dritte zu der Gruppe der über 64-Jährigen gehören wird. Mobilität bis ins hohe Lebensalter stellt dabei ein primäres Bedürfnis zur Sicherung von Autonomie und Teilhabe dar. Der Pkw nimmt dabei eine besondere Rolle ein. Er stellt das Verkehrsmittel der ersten Wahl dar und ermöglicht oft erst die Aufrechterhaltung von Mobilität. Die Fahrleistung kann jedoch mit fortschreitendem Alter durch verschiedene körperliche oder geistige Leistungseinbußen beeinflusst werden. So rückt die Frage nach den Unfallrisiken des älteren Kraftfahrers in den Mittelpunkt des Interesses. Die Risiken des Autofahrens im Alter werden sowohl in der Öffentlichkeit, in der Wissenschaft als auch auf politischer Ebene kontrovers diskutiert. Die vorliegende Arbeit setzt an den uneinheitlichen Forschungsbefunden zum Unfallrisiko des älteren Autofahrers an und widmet sich der Verunfallung von Senioren als Autofahrer auf zwei verschiedenen explorativen Wegen.
Eine inhaltsanalytische Auswertung von drei lokalen Tageszeitungen des Bonner Raums geht der Frage nach, wie Unfälle von Senioren dargestellt werden und welches öffentliche Bild des verunfallten Seniors an den Leser vermittelt wird. 100 Unfallberichte mit Seniorenbeteiligung, die innerhalb eines Jahres in den Tageszeitungen erschienen, konnten dazu inhaltsanalytisch untersucht werden. Um die Befunde mit durchschnittlichen Kennzahlen des örtlichen Unfallgeschehens zu vergleichen, wurden sie den lokalen polizeilichen Unfallstatistiken gegenübergestellt. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass die Zeitungen zwar gezielt Unfälle für ihre Berichterstattung wählen, die einen erhöhten Unterhaltungs- und Sensationswert für den Leser beinhalten. Jedoch nur wenige, unsachliche Artikel, die meist der Boulevardpresse zuzuordnen sind, dramatisieren dabei die Beteiligung des Seniors, während der Großteil ein durchaus realitätsnahes und sachliches Bild des verunfallten Seniors vermittelt.
Neben der inhaltsanalytischen Auswertung sollte mit Hilfe einer empirischen Untersuchung von verunfallten Senioren dem Forschungsdefizit zur Rolle altersbedingter Defizite und Erkrankungen bei der Unfallentstehung begegnet werden. Es wurde ein Interview entwickelt, mit dem unfallrelevante Merkmale erfasst werden. Die Befragung wurde an 180 Autofahrern im Mindestalter von 65 Jahren aus dem Großraum Bonn vorgenommen, die in den letzten fünf Jahren am Steuer eines Autos in einen Unfall mit Sach- oder Personenschaden verwickelt waren. Die Teilnehmer wurden zu individuellen Leistungsbeeinträchtigungen und Persönlichkeitsmerkmalen sowie zu ihrer Fahrbiographie und Unfallgeschichte befragt. Zusätzlich wurden 50 Senioren der Untersuchungsteilnehmer einer internistisch-verkehrspsychologischen Untersuchung sowie einer Fahrverhaltensprobe im realen Straßenverkehr unterzogen. Unter den verunfallten Senioren lassen sich Gruppen und ihre Profile risikomodifizierender Variablen des Fahrverhaltens identifizieren. Diese verdeutlichen, dass das Alter allein kein Prädiktor für individuelle Leistungsfähigkeit und Unfallrisiko darstellt. Vielmehr scheinen spezifische Kombinationen aus alterskorrelierten Einbußen und Krankheit zu einem erhöhten Risiko zu führen. Diese Heterogenität sollte vor allem bei interventiven Maßnahmen und bei künftigen Forschungen berücksichtigt werden.
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© Universitäts- und Landesbibliothek Bonn | Veröffentlicht: 31.05.2011