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Philosophische Fakultät - Jahrgang 2011

 

Titel „Who are you?“
Gender-Aspekte in Opern des 20. und 21. Jahrhunderts
Autor Pei-Fang Frederika Tsai
Publikationsform Dissertation
Zusammenfassung Die tief greifenden, seit einigen Jahrzehnten beobachtbaren Veränderungen im Gender-Verständnis der Gesellschaft haben notwendiger Weise auch die Präsentation der Geschlechter auf dem musikalischen Theater nachdrücklich beeinflusst. Unter dieser Voraussetzung wendet sich die vorliegende Dissertation der Frage zu, wie die Geschlechterordnung in verschiedenen Opern des 20. und 21. Jahrhunderts dargestellt und gegebenenfalls problematisiert wird.
Zunächst stehen die Bühnenwerke Curlew River und Tri Sestri von Benjamin Britten bzw. Peter Eötvös im Mittelpunkt der Untersuchung. In beiden Kompositionen werden die Frauenrollen ausnahmslos von männlichen Sängern gestaltet, und die dramaturgischen Strukturen sind übereinstimmend an japanischen Theatertraditionen orientiert – am No-Theater bei Britten, am Kabuki-Theater bei Eötvös. Gleichwohl sind die beiden Konzeptionen aber deutlich voneinander zu unterscheiden, denn sie zeugen von historischen Verschiebungen, die innerhalb einer Zeitspanne von gut drei Jahrzehnten die Ausgangslage für die beiden Komponisten grundsätzlich verändert haben: Brittens Akzentuierungen der rituellen Elemente sowie die vielfältigen Brechungen, die Eötvös durch seine Besetzungsentscheidungen hervorruft, führen dazu, dass die Geschlechterprofile im einen Falle abgemildert, im anderen zugeschärft erscheinen.
Systematische Überlegungen zur hohen Countertenor-Stimme, die nicht nur als künstlerische Ausdrucksmittel dient, sondern zugleich auch unwillkürlich als Geschlechtsmerkmal verstanden wird, leiten sodann über zu einem zweiten zentralen Aspekt der Untersuchung, der Darstellung von Homosexualität. Alban Bergs Lulu und Michael Tippetts The Knot Garden geben hier aufgrund der Distanz von mehr als vier Jahrzehnten, die diese beiden Opern voneinander trennt, die Möglichkeit, die Veränderungen im Umgang mit der Homosexualität auf dem Musiktheater zu erschließen. Ausführliche Berücksichtigung findet schließlich auch noch die drastisch veränderte Situation, die sich durch das Aufkommen der Krankheit Aids ergeben hat. Die Suche nach Formen einer adäquaten künstlerischen Auseinandersetzung mit den jetzt neu entstandenen Gefährdungen und Konflikten wird an Tony Kushners Theaterstück Angels in America sowie an der darauf basierenden – wiederum von Peter Eötvös komponierten – gleichnamigen Oper erschlossen.
Abstract “Who are you?” –Gender-aspects in the operas of the 20th and 21th centuries
This dissertation explores the question, in what way the different social understanding of gender influences the display of gender in the operas of the 20th and 21th centuries. It is argued how the order of gender is presented and challenged. The main object of the research here is the male voice, particularly the high-pitched one. Two aspects of gender, namely the female characters played by the male singers and secondly the portrayal of homosexuality, are collected with regard to this central problem. Concerning the first aspect Benjamin Britten’s Curlew River (1964) and Peter Eötvös’ Tri Sestri(1997) are chosen as examples while Peter Eötvös’ another opera Angels in America (2004) exemplifies the latter one.
The voice transmitted by the voice box would be understood as means of expression as well as indicative attribute of gender. Those musical passages where the female characters and the homosexual are always assigned to the male voices are designed to present the abnormal deviant from the norm. This duality is always picked out as a central theme of the operatic material and serves as the focal point in this research. The discourse of body and identity overlaps each other and thus leads to mutual interaction. The discursive correlation between femininity and high-pitched voice is sorted out and put into scrutiny. Meanwhile the interaction between the identity of the characters, of each singer and his/her voice is further clarified. The related complexity signifies that arbitrary separation of body and identity is neither that significant nor fixedly established. What’s more, the role of body in the opera research should be more emphasized than it’s treated today. Only in this way will more aspects of voices receive more attention in the future and relevant research be made possible.
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© Universitäts- und Landesbibliothek Bonn | Veröffentlicht: 12.04.2011