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Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät - Jahrgang 2010

 

Titel Managing social-ecological systems for resilience: Fisheries in the small reservoirs of northern Ghana
Autor Jennifer Sigrid Hauck
Publikationsform Dissertation
Abstract People in northern Ghana face an increasing number of challenges such as social change, political neglect, globalization and a lack of income generating alternatives. On top of this difficult situation they have to adapt to an increasing number of extreme climatic events that threaten the income from rainfed agriculture, their most important livelihood strategy.
Hundreds of small multi-purpose reservoirs were built during the past 60 years to help the rural population deal with the difficult environmental conditions by enhancing flexibility and diversifying income sources. Fisheries in these reservoirs were assumed to be a rather incidental benefit. Growing uncertainty and difficulty in organizing a livelihood make it necessary to consider all of the possible uses of small reservoirs, including the use of small reservoirs for fisheries. This study aims to contribute to the resilience of the rural poor in the Upper East Region of Ghana to environmental disturbances through improved understanding of the potentials of fisheries in small reservoirs. Resilience is thereby understood as the potential to create opportunities for doing new things, for innovation and development, even, or especially, during times of disturbance or crisis.
Results are based on empirical findings from three case studies. The first of three analytical steps focused on how fishing in small reservoirs and selling the catch influences the opportunities for doing new things, for innovation and for development. The second step analyzed the ecological potentials of the small reservoirs to provide aquatic resources. The third dimension of the analysis used the concepts provided by social network analysis to check the social potentialities for innovation and development necessary to realize the ecological potential of the reservoirs for improved human well-being.
Results show that for most of those involved in fisheries, the income from these activities is among the three most important livelihood strategies and the income from fishing is lifting about 15% of the economically active male population in the study communities out of absolute poverty. Furthermore, the income from fishing and selling fish can be used to invest in other livelihood strategies, such as farming and gardening. The analysis of the fishermen’s local ecological knowledge shows that the small reservoirs have a natural fish production. Considering that there are a vast number of reservoirs not yet used for fishing, this means that many communities have a source of income and protein at their feet. With some training and access to gear, the resilience of many thousands of families could be increased, simply by using the naturally occurring aquatic resources in the reservoirs. Technical solutions to enhance fish production further are available at low cost. Unfortunately, the data base did not, however, allow an exact prediction of the reservoirs’ potential fish production.
This is exactly the starting point for an adaptive co-management approach, which is designed for the work under high uncertainty. Yet the approach has a number of pre-requisites that need to be fulfilled in order to manage reservoirs for increased production. Results of the social network analysis show, however, that the implementation of a new management approach would be challenged by a lack of political will and funding. The analysis further reveals clashing traditional, governmental, and participatory management strategies, as well as generational conflicts, bad leadership and distrust. These problems are fortified by strong competition for water amongst the various water users, and low capacity of the communities to organize water use and maintenance of the infrastructure.
Three development scenarios at the end of this study show that if no steps are taken to improve the situation, the scope of fisheries as a livelihood strategy to increase resilience remains limited. Yet if cooperation between science, politics and local stakeholders can be established to overcome problems of management, fisheries in small reservoirs have a great potential to strengthen the resilience of the local population.
Zusammenfassung Management sozial-ökologischer Systeme für mehr Resilienz: Fischerei in den kleinen Reservoiren Nordghanas
Die ländliche Bevölkerung in Nordghana muss sich einer Vielzahl von Herausforderungen, wie sozialen Veränderungen, politischer Vernachlässigung, Globalisierung, sowie einem Mangel an alternativen Einkommensquellen, stellen, um ihren täglichen Lebensunterhalt zu sichern. Zusätzlich zu diesen Problemen kommt eine steigende Anzahl klimatischer Extreme, wie Dürren und Überschwemmungen, die ihre Haupteinkommensquelle, den Regenfeldbau, bedrohen.
In den letzten 60 Jahren wurden hunderte kleine, vielfältig nutzbare Reservoire gebaut, um für die wachsende Bevölkerung Einkommensalternativen zu schaffen, vor allem im Bewässerungsfeldbau und durch größere Viehherden mittels zusätzlicher Tränkmöglichkeiten. Die Nutzung der Reservoire für die Fischereiwirtschaft hingegen rückte bisher kaum ins Blickfeld. Ständig zunehmende Unsicherheiten und Probleme bei der Sicherung des Lebensunterhaltes machen es jedoch notwendig, alle möglichen Nutzungen der Reservoire zu erwägen, einschließlich der Fischerei. Durch ein besseres Verständnis der Potentiale der Fischerei in kleinen Reservoiren, möchte die vorliegende Studie zur Stärkung der Resilienz der lokalen Bevölkerung gegenüber den immer extremer werdenden Umweltbedingungen beitragen. Angelehnt an Folke (2006) wird Resilienz als Potential verstanden sich, trotz umweltbedingter Störungen und Krisen, neue Möglichkeiten zu erschließen sowie als Potential für Innovation und Entwicklung.
Die Ergebnisse basieren auf empirischen Erkenntnissen aus drei Fallstudien an Reservoiren in der Upper East Region, Ghana, welche in unterschiedlicher Intensität fischereilich genutzt werden. Der erste von drei Untersuchungsschritten ist auf die Art und Weise fokussiert, wie sich das Fischen und der Handel mit Fisch auf die Potentiale neue Möglichkeiten zu erschließen auf Innovation und Entwicklung auswirkt. Der zweite Schritt analysiert das ökologische Potential der kleinen Reservoire hinsichtlich der Bereitstellung aquatischer Ressourcen. Mittels Konzepten der sozialen Netzwerkanalyse werden im dritten Untersuchungsschritt die sozialen Potentiale analysiert, die notwendig sind, um durch Innovationen bzw. verbessertes Management die ökologischen Potentiale der Reservoire zu realisieren.
Die Analyse des lokalen, ökologischen Wissens der Fischer zeigt, dass sich nach dem Bau der kleinen Reservoire eine natürliche Fischpopulation etabliert. Dennoch gibt es in Nordghana hunderte Reservoire, die fischereilich nicht genutzt werden, da den Menschen weder Know-how noch Fischereiausrüstung zur Verfügung stehen. Die drei Fallstudien zeigen aber, dass Fischerei sich, wenn Zugang zu Know-how und Fischereiausrüstung besteht, zu einer wichtigen Einkommensquelle entwickelt kann, die immerhin 15% der männlichen, ökonomisch aktiven Bevölkerung aus der absoluten Armut hilft. Darüber hinaus hat sich Fisch zu einer wichtigen Ergänzung im Speiseplan entwickelt. Zudem kann das Einkommen aus der Fischerei und aus dem Verkauf von Fisch in alternative Lebenssicherungsstrategien investiert bzw. extreme Hungerzeiten können abgefedert werden.
Kostengünstige, technische Lösungen zur Optimierung der natürlichen Fischpopulationen stehen ebenfalls zur Verfügung und könnten die Erträge steigern. Konkrete Vorraussagen zu potentiellen Steigerungsmöglichkeiten sind indes schwierig, da extrem variable Umweltbedingungen einer sehr schwachen Datenbasis bezüglich Fischproduktion in kleinen Reservoiren gegenüberstehen. Ein anpassungsfähiger Managementansatz, wie zum Beispiel vorgeschlagen von Berkes et al. 2001, berücksichtigt solche unsicheren Umstände, und empfiehlt auf unterschiedlichen Arten von Wissen aufzubauen und aus Fehlern und Erfolgen zu lernen. Eine erfolgreiche Umsetzung des Management-Konzeptes benötigt aber bestimmte Voraussetzungen, wie etwa good leadership, Vertrauen oder auch eine gemeinsame Vorstellung vom Ziel des Managements.
Die Ergebnisse der sozialen Netzwerkanalyse sowie die Auswertung historischer Daten deuten auf mangelnden politischen Willen sowie fehlenden Finanzierung als Hindernisse auf dem Weg zu einem verbesserten Fischereimanagement hin. Desweiteren zeigt die Analyse, dass sich traditionelles und staatliches Ressourcenmanagement nicht einfach mit neueren, demokratischen Managementansätzen vereinbaren lässt. Schlechte Führung der Fischereigemeinden sowie Konflikte zwischen jungen und alten Fischern resultieren in massivem Misstrauen, welches eine koordinierte fischereiliche Bewirtschaftung der Reservoire unmöglich macht. Auch die Dorfgemeinschaften sind mit der Organisation der verschiedenen Wassernutzungen und der Instandhaltung der Infrastruktur überfordert, und durch die Knappheit des Wassers entsteht eine starke Konkurrenz unter den verschiedenen Wassernutzern, welche die ohnehin schwierige Situation verschärft.
Drei deskriptive Entwicklungsszenarien am Ende der Studie zeigen, dass mit Zugang zu Know-how und Fischereiausrüstung die wirtschaftliche Nutzung der natürlichen Fischpopulation in den Reservoiren gesteigert und somit die Resilienz der lokalen Bevölkerung erhöht werden könnte. Die Möglichkeiten der Fischerei als eine Strategie zur Lebenssicherung bleiben allerdings beschränkt, sofern die problematische Situation im Fischereimanagement nicht verbessert wird. Eine gleichberechtigte Kooperation von Wissenschaft, Politik und lokalen Nutzern könnte helfen, die Managementverdrossenheit zu überwinden. Die Fischerei in kleinen Reservoiren könnte dann ihr Potenzial zur Stärkung der Resilienz der ländlichen Bevölkerung gegenüber den eingangs erwähnten Problemen entfalten.
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© Universitäts- und Landesbibliothek Bonn | Veröffentlicht: 08.12.2010