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Medizinische Fakultät - Jahrgang 2010

 

Titel Metallionen-Konzentrationen im Speichel kieferorthopädisch behandelter Patienten
Autor Anna Christine Knickenberg
Publikationsform Dissertation
Zusammenfassung In der Kieferorthopädie ist die Insertion metallischer Apparaturen für einen Zeitraum von bis zu mehreren Jahren üblich. Da es in der Mundhöhle zu Korrosionserscheinungen kommt, stellt sich die Frage, ob die metallischen Apparaturen korrosionsbeständig sind und ob eventuell korrodierte Metallionen dem Patienten Schaden zufügen können. Besonders die NiTi-Legierungen, die auf-grund ihrer hervorragenden kristallographischen Eigenschaften einen großen Anwendungsbereich bei den kieferorthopädischen Drähten finden, stehen immer wieder im Mittelpunkt der Debatte um Biokompatibilität und stellen ein vieldiskutiertes und umstrittenes Thema dar. In dieser Un-tersuchung wurde der Speichel zweier sich in kieferorthopädischer Behandlung befindlicher Pati-entengruppen auf korrodierte Nickel-, Aluminium-, Kupfer- und Eisenionen untersucht. Da es sich um eine Gruppe mit und eine Gruppe ohne Vorbehandlungs-Apparatur handelte konnte auf diese Weise sowohl die während der Behandlung erfolgende Korrosion sowie die langfristige, durch Alterung und Abrasionsprozesse beeinflusste Korrosion untersucht werden.
Die vorliegende Studie wurde an zwei Gruppen durchgeführt. Es handelte sich zum einen um 30 Patienten, welche mit einer Multiband-Apparatur mit im Durchschnitt 20 selbstligierenden Smart Clip-Brackets (Firma: 3M Unitec, Typ: 0,022-inch Slot) und im Durchschnitt vier Bändern (Fir-ma: Ormco) behandelt wurden. Bei den verwendeten Drähten handelte es sich um Thermalloy-Bögen (Firma: Smile Dental, Dimension: 0,014 inch). Bei der zweiten Gruppe handelte es sich um acht Patienten, die dieselbe Multiband-Behandlung erfuhren, jedoch zu Beginn dieser, eine kiefer¬orthopädische Vorbehandlung von fünf bis 15 Monaten in Form einer Goshgarian-, Lip Bumper- oder Quad Helix-Apparatur beendeten. Beiden Gruppen wurden zu sechs verschiedenen Zeitpunkten der Behandlung Speichelproben entnommen. Es handelte sich um folgende Termine während des Behandlungsablaufes: 1. Vor Bebänderung (unmittelbar bei Ankunft des Patienten in der Praxis), 2. nach Bebänderung und Bracketierung (bei der vorbehandelten Patientengruppe belief sich dieser Termin ebenfalls auf den Zeitpunkt kurz nach Entfernung der Vorbehandlungs-Apparatur), 3. zwei Wochen später und kurz vor Einsetzen des ersten Bogens, 4. kurz nach Ein-setzen des ersten Bogens, 5. Kontrolltermin vier Wochen nach Einsetzen des ersten Bogens, 6. Kontrolltermin 8 Wochen nach Einsetzen des ersten Bogens. Die Speichelproben wurden ohne vorherige Spülung und ohne Stimulation entnommen. Mit Hilfe einer Rotlichtlampe wurden die Proben zwölf Stunden getrocknet, anschließend wurden sie 24 Stunden in Königswasser gelöst und daraufhin mit deionisiertem Wasser verdünnt. Die Proben wurden gefiltert und mit dem ICP-Massenspektrometer analysiert.
Während sich 50% der Messwerte der Ni-Konzentrationen zu Beginn bei 17 bis 29 µg/l befan-den, stiegen diese nach Bebänderung und Bracketieruung auf Werte von 54 bis 101 µg/l an. Nach zwei Wochen reduzierten sich die Werte auf Anfangsniveau (18 bis 29 µg/l) und stiegen nach Insertion des ersten Bogens erneut auf 28 bis 104 µg/l. Die weiteren Werte der Kontrolltermine (12 bis 25 µg/l und 16 bis 26 µg/l) zeigten, dass sich die Korrosion des Bracket-Band-Bogen Sy-stems deutlich passivierte. Die Korrosionswerte des Aluminiums zeigten, dass lediglich nach Bebänderung und Bracketierung eine starke Erhöhung der Ionen-Konzentration vorlag, die je-doch auf die vorherige Politur einer aluminiumhaltigen Polierpaste zurückgeführt werden kann. Die Cu- und Fe-Konzentrationen waren analog der Nickelwerte, jedoch weniger deutlich, zum zweiten und vierten Probentermin erhöht. Unterschiede der Korrosionswerte zwischen der vorbe-handelten und nicht vorbehandelten Patientengruppe stellten sich nicht heraus.
Die Ergebnisse zeigten, dass eine Korrosion des Nickels und der übrigen getesteten Ionen statt-fand. Es zeigte sich jedoch, dass eine Passivierung bereits nach zwei Wochen eintrat und auch die langfristige Korrosion nicht erhöht war. Bei Allergikern sollte jedoch, da auch geringste Dosen eine allergische Reaktion auslösen können, auf den Einsatz nickelhaltiger Apparaturen verzichtet werden.
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© Universitäts- und Landesbibliothek Bonn | Veröffentlicht: 08.12.2010