Hinweis zum Urheberrecht | Allgemeine Informationen | FAQ
Beim Zitieren dieses Dokumentes beziehen Sie sich bitte immer auf folgende URN: urn:nbn:de:hbz:5-22521

 

Philosophische Fakultät - Jahrgang 2010

 

Titel Kommunikation zwischen Facharzt und Patient am Beispiel Fahrtauglichkeit bipolarer Patienten
Autor Amalia Graf-Czikajlo
Publikationsform Dissertation
Zusammenfassung In der vorliegenden Studie wird durch eine empirische Befragung zu dem Thema „Fahrtauglichkeit bipolarer Patienten“ die Sicht und das Vorgehen von Fachärzten im Gespräch mit bipolaren Patienten sowie die Bereitschaft der Mediziner, aufzuklären und nötigenfalls in kritischen Situationen vom Autofahren abzuraten, untersucht. Im Zentrum stand die Fragestellung, wie in Bezug auf das Arzt-Patienten Gespräch mit der Thematik Fahreignung eine effektivere Beratungssituation bewerkstelligt werden kann. Ausgangspunkt der empirischen Befragung bildet das heuristische Modell, das die sich aus der Literaturanalyse ergebenden zentralen Konstrukte und Annahmen zusammenfasst. Es stellt die möglichen psychologischen und situativen Bedingungen zur Bereitschaft eines Arztgesprächs mit Patienten über die Fahrtauglichkeit der bipolaren Patienten dar und ordnet siese in ihrer interdependenten Beziehung einander zu.
Insgesamt wurden 121 Psychiater befragt, die Patienten mit bipolaren Störungen behandeln. Nach der Überprüfung der theoriegelieteten Zusammenhänge (bivariate Korrelationen), wurden mit Hilfe des Verfahrens der multiplen Regression diejenigen Prädiktoren identifiziert, die besonders zur Erklärung der Gesprächsbereitschaft zur Fahrtauglichkeit mit bipolaren Patienten beitragen. Anschliessend wurden mittels Clusteranalyse drei unterschiedliche Teilgruppen innerhalb der Gesamt-Facharztgruppe identifiziert, die sich in ihrer Bereitschaft Fahrtauglichkeitsgespräche zu führen, unterscheiden: Der „Verantwortungsvoll Handelnde“ (36%), der „Selbstsichere Profi“ (33%) und der „bewusste Verdränger“ (31%). Der „verantwortungsvoll Handelnde“ sieht die Problematik der Fahrtauglichkeit bei bipolaren Patienten am ehesten und zeigt latent die größte Bereitschaft Aufklärungsgespräche hinsichtlich der Fahrtauglichkeit zu führen. Er sieht für sich weiteren Fortbildungsbedarf, um Fahrtauglichkeitsbewertungen adäquat im Patientengespräch zu vermitteln und damit in seinem Behandlungskonzept patientengerechter zu handeln. Der „Selbstsichere Profi“ erachtet sich selber als kompetent im Umgang mit seinen bipolaren Patienten und kann subjektiv die Fahrtauglichkeit mit dem ihm zur Verfügung stehenden Mitteln einschätzen; Selbst- und Fremdbild weisen eine deutliche Diskrepanz auf. Überzeugunsarbeit ist bei dem „bewussten Verdränger“ zu leisten, um das Thema Fahrtauglichkeit in den Behandlungsprozess aufzunehmen.
Aus den Ergebnissen der Untersuchung lässt sich die Notwendigkeit einer typenspezifischen Fortbildungskonzeption ableiten – auch im Interesse der Effektivität von Fortbildungskonzepten. Ziel ist es, Unsicherheiten im Arzt-Patientengespräch zum Thema Fahrtauglichkeit zu minimieren, um die Situation sowohl des Arztes als dem Behandelnden als auch des bipolaren Patienten im Umgang mit seiner Erkrankung zu verbessern und beide für dieses Thema zu sensibilisieren. Aufgrund der empirischen Analysen lassen sich spezifische Anforderungen an die Konzeption einer Fortbildung für die unterschiedlichen Arztgruppenzu dem Thema Aufklärung von bipolaren Patienten hinsichtlich ihrer Fahrtauglichkeit formulieren, deren kausal gerichteter Einfluss auf die Aufklärungsbereitschaft ebenfalls als relevant und gesichert angesehen werden kann. Es werden die zu berücksichtigenden Teilaspekte aufgezeigt, die den jeweiligen Arzttyp motivieren, an einer solchen Fortbildung teilzunehmen, und seine Neigung zu verstärken, in Gesprächen mit bipolaren Patienten deren Fahrtauglichkeit zu thematisieren, um aktive Prävention als festen Bestandteil in den Behandlungsplan zu integrieren.
Komplette Version pdf-Dokument (4 MB) Hier können Sie den Adobe Acrobat Reader downloaden
© Universitäts- und Landesbibliothek Bonn | Veröffentlicht: 07.09.2010