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Medizinische Fakultät - Jahrgang 2010

Titel Lymphome des Zentralen Nervensystems
Ein retrospektiver Vergleich zwischen Primären- und Sekundären ZNS-Lymphomen
Autor Katrin Patrij
Publikationsform Dissertation
Zusammenfassung Sekundäre Lymphome des ZNS stellen eine seltene, aber verheerende Komplikation von systemischen Non-Hodgkin-Lymphomen dar. Da die Erkenntnisse über SZNSL sehr limitiert sind, wurden in dieser Arbeit alle Patienten mit einem primären und sekundären ZNS-Lymphom, die in dem Zeitraum 09/1995–12/2007 an der Universitätsklinik Bonn behandelt worden sind, evaluiert und anhand klinischer Charakteristika sowie dem Krankheitsverlauf miteinander verglichen.
Die PZNSL-Patienten (n=70) wurden alle mit einer Polychemotherapie nach dem Bonner Protokoll behandelt, die SZNSL-Patienten (n=10) dagegen erhielten bei zerebraler Manifestation des Lymphoms unterschiedliche Therapieansätze. Die damit erreichte Remissionsrate von 66% (CR+PR) sowie das mediane Gesamtüberleben von 12 Monaten war deutlich niedriger als die der PZNSL-Patienten (84%, 25 Monate). Jedoch ist aus dieser Analyse ersichtlich, dass bereits etablierte PZNSL-Therapieschemata ebenso bei einem SZNSL wirksam sind und dass diese Patienten trotz einer insgesamt schlechteren Prognose erheblich von einer solchen Therapie profitieren.
Im Hinblick auf die schlechtere Prognose der SZNSL-Patienten untersuchte die vorliegende Arbeit den Einfluss von bestimmten Risikofaktoren auf das Überleben (Alter, Karnofski-Index, LDH-Serum-Konzentration und Liquor-Gesamtprotein-Konzentration). Entgegen bereits veröffentlichter Studien zeigten bei den PZNSL-Patienten lediglich ein Alter < 60 Jahren und eine Liquor-Gesamtprotein-Konzentration < 50 mg/dl einen prognostisch günstigen Einfluss auf das Gesamtüberleben. Im Gegensatz dazu konnten in dem SZNSL-Patientenkollektiv keine signifikanten Prognosefaktoren ermittelt werden.
Im Verlauf der Erkrankung zeigten 55% des Patientenkollektivs ein rezidiviertes oder refraktäres ZNS-Lymphom. Die Prognose dieser Patienten war trotz einer erneuten Therapie insgesamt bei einer medianen Überlebenszeit von 19 Monaten (Rezidiv) bzw. 4 Monaten (PD) insgesamt sehr schlecht. Zurückzuführen ist dieses Ergebnis vor allem auf die heterogenen Behandlungsstrategien. Viele Patienten erhielten bei Therapieversagen eine alleinige Strahlentherapie, obwohl aus zahlreichen Studien hervorgeht, dass diese Therapieform mit einer erheblichen Neurotoxizität und einem hohen Rezidivrisiko einhergeht. Interessanterweise hatten jedoch jüngere Patienten (<60 Jahren) eine deutlich bessere Prognose als ältere (20 Monate vs. 5 Monate) sowie ein erheblich geringeres Risiko an einem Rezidiv zu erkranken. Zudem konnte gezeigt werden, dass die Prognose der Rezidiv-Patienten maßgeblich vom Zeitpunkt des Rezidivauftretens abhängig war. Spätrezidive (>12 Monate) zeigten mit 32 Monaten eine signifikant längere Überlebenszeit als Frührezidive (2 Monate). Daraus lässt sich schließen, dass neue Therapieansätze, die an das Alter der Patienten, die Art des Therapieversagens sowie an den Zeitpunkt des Rezidivauftretens angepasst wären, zu einer deutlichen Prognoseverbesserung der Patienten führen würden und demnach eine Anpassung von großer Bedeutung wäre.
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© Universitäts- und Landesbibliothek Bonn | Veröffentlicht: 08.07.2010