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Katholisch-Theologische Fakultät - Jahrgang 2010

Titel „Dass du dich retten lässt, das drängt mich sehr!“
Clemens von Alexandrien als Seelsorger: ein wenig beachteter Zugang zu Person und Werk
Autor Hildegard König
Publikationsform Nachpublikation der Habilitationsschrift vom 2005
Zusammenfassung Titus Flavius Clemens, der um 200 n. Chr. in Alexandrien lebt und wirkt, präsentiert sich in seinem Werk als ein Christ, der - wie auch immer beauftragt - im Dienst seiner Kirche tätig ist. Sein Arbeitsfeld ist die Übergangszone zwischen kirchlichem Binnenraum und nichtchristlicher städtischer Kultur. Seine Schriften "Protreptikos", "Paidagogos" und "Stromateis", in denen Andeutungen und verstreute Hinweise ein Gemeindeleben skizzieren, das dem anderer großer Städte dieser Zeit (z.B. Rom) entspricht, zeichnen ein Portrait des Seelsorgers Clemens, das ihn nach innen als für den geistigen Entwicklungsprozess der Mitchristen verantwortlichen Lehrer und nach außen als intellektuellen Gesprächspartner für Nichtchristen darstellt.
Aus dieser Perspektive lassen sich die "Stromateis" als eine theologische Schrift lesen, deren hoch komplexe, schwer durchschaubare Struktur der Bedürfnislage ganz unterschiedlicher Leserkreise entspricht: Clemens will Seelsorger und Gesprächspartner für Griechen und Juden, für rechtgläubige und heterodoxe Christen sein.
Die Schriften des Clemens geben ein durchdachtes Konzept von Seelsorge zu erkennen, das christologisch angelegt ist und eine mimetische Struktur besitzt: Grund und Ursache des menschlichen Sorgens um Leib und Seele ist Gott selbst, der sich im Gottessohn als der große Fürsorger und Seelsorger offenbart.
Der wahre Gnostiker, d.h. der wahre Christ, ist als Seelsorger und Fürsorger ein Abbild göttlicher Sorge um den Menschen. Die Selbstkultivierung des Gnostikers erschöpft sich für Clemens nicht in einer Verähnlichung mit Gott durch Affektlosigkeit, sondern sie realisiert sich vor allem in der Nachahmung der Güte und Menschenliebe Gottes, die sich in der Fürsorge für Notleidende, in der erziehenden Sorge um Anvertraute und in der nachgehenden Sorge um Verirrte und Verlorene zeigt. Insofern aber aller Glaube die Verähnlichung mit Gott anstrebt, sind auch Seelsorge und Fürsorge nicht nur die Aufgaben vollendeter Gnostiker, sondern Grundbestandteil christlicher Alltagkultur, an der jede und jeder in seiner Weise partizipiert.
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© Universitäts- und Landesbibliothek Bonn | Veröffentlicht: 10.03.2010