Determinanten und gesundheitliche Risiken von Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland

Christina Kleiser

Zusammenfassung

 

Die weltweit steigende Prävalenz von Übergewicht und Adipositas ist von zunehmender Public Health Relevanz, auch bei Kindern und Jugendlichen. Um effektive Präventionsstrategien auszuarbeiten, ist es wichtig Determinanten und gesundheitliche Konsequenzen frühzeitig zu identifizieren. In der vorliegenden Arbeit wurden die bedeutendsten Determinanten von Übergewicht und Adipositas sowie der Zusammenhang zwischen Übergewicht und kardiovaskulären Risikofaktoren analysiert. Hierzu wurden Daten des national repräsentativen Kinder- und Jugendgesundheitssurveys (KiGGS) herangezogen. Darüber hinaus wurden unterschiedliche anthropometrische Maße zur Bestimmung von Übergewicht hinsichtlich ihrer Relevanz für die Risikobewertung beurteilt.

Elterliches Übergewicht wurde anhand der erhobenen Daten als wichtigste Determinante von Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen identifiziert. Es zeigte sich zudem ein positiver unabhängiger Zusammenhang zwischen Adipositas und niedrigem Sozialstatus, Migrationshintergrund (nur bei 3- bis 13-Jährigen signifikant), hoher Gewichtszunahme in der Schwangerschaft (nur bei normalgewichtigen Müttern signifikant), mütterlichem Rauchen in der Schwangerschaft, hohem Geburtsgewicht, geringer Schlafdauer (nur bei 3- bis 10-Jährigen signifikant) sowie hohem Medienkonsum. Ein niedriger Sozialstatus war darüber hinaus mit einem höheren Auftreten ungünstiger Verhaltensweisen und Lebensbedingungen assoziiert. Bei allen erfassten Übergewichtsmaßen zeigte sich bereits bei Kindern unter 11 Jahren ein durchgehend positiver Zusammenhang mit ungünstigen kardiovaskulären Risikofaktoren. Abhängig vom gewählten Maß zur Bestimmung von Übergewicht zeigten sich die höchsten Unterschiede zwischen Übergewichtigen und nicht Übergewichtigen in den adjustierten Mittelwerten der kardiovaskulären Risikofaktoren mit 14 mg/dl für Gesamtcholesterin, 12 mg/dl für LDL-Cholesterin, -10 mg/dl für HDL-Cholesterin, 9 mm Hg für systolischen Blutdruck, 4 mm Hg für diastolischen Blutdruck und 1,2 mg/l für C-reaktives Protein. Bei Jugendlichen war der Zusammenhang von kardiovaskulären Risikofaktoren mit Body Mass Index (BMI), Taillenumfang und Taille-Größe-Quotient stärker ausgeprägt als der mit Taille-Hüft-Quotient und Hautfaltendicken.

Kinder und Jugendliche aus Familien mit übergewichtigen Eltern und niedrigem Sozialstatus sind bedeutende Zielgruppen für die Prävention. BMI, Taillenumfang und Taille-Größe-Quotient sind gute Prädiktoren für ein ungünstiges kardiovaskuläres Risikoprofil. Eine Kombination von BMI und Taillenumfang oder BMI und Taille-Größe-Quotient kann für die Risikobewertung in großangelegten epidemiologischen Studien sinnvoll sein.

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© Universitäts- und Landesbibliothek Bonn | Veröffentlicht: 02.03.2010