Handelsliberalisierung zwischen der EU und den Staaten des Mercosur - Eine ökonomische Bewertung für den Fall von Rindfleisch

Franziska Julia Junker

Zusammenfassung

 

Die Staaten des Mercosur (Argentinien, Brasilien, Uruguay, Paraguay und Venezuela) sind die wichtigste Quelle für Rindfleischeinfuhren in die Europäische Union (EU).

Die Zölle, die die EU auf Einfuhren von Rindfleisch erhebt, sind trotz des Abbaus von Handelsschranken im multilateralen Kontext noch immer hoch. Argentinien, Brasilien, Uruguay und Paraguay verfügen über präferenziellen Marktzugang im Rahmen von bilateralen und multilateralen Zollquoten (TRQs). Die TRQs sind überliefert und Quotenrenten entstehen, deren Verteilung zunächst unbekannt ist.

Im Jahr 2005 haben die beiden Staatengruppen Verhandlungsvorschläge präsentiert. Die Mercosur Staaten forderten deutlich verbesserten Zugang zu den Rindfleischmärkten der EU, der Vorschlag der EU war weniger weitreichend. Beiden Vorschlägen ist gemein, dass sie eine Ausdehnung der bestehenden TRQs zusammen mit einer Senkung des präferenziellen Zollsatzes vorsehen. Sie unterscheiden sich im Ausmaß der vorgeschlagenen Quotenausdehnung und Zollsenkung.

Bei wohl fast jeder Politikänderung gibt es Gewinner und Verlierer. Das Ziel dieser Arbeit ist eine ökonomische Analyse verschiedener Optionen für die Liberalisierung des Rindfleischhandels zwischen der EU und den Staaten des Mercosur.

Drei Herausforderungen stellen sich in diesem Zusammenhang. Eine besteht in der sehr spezifischen Definition der Produkte, die unter den Quoten importiert werden können. Die zweite ist die zunächst unbekannte Verteilung der Quotenrenten, die die Wohlfahrtswirkung aber entscheidend mit beeinflussen kann. Das dritte Problem ist die Darstellung der stellenweise nicht stetigen Reaktion des Preises eines importierten Guts auf die Menge.

Um dem ersten Problem zu begegnen, wurde ein partielles Gleichgewichtsmodell entwickelt, dessen Produktdeckung speziell auf die oben genannte Forschungsfrage angepasst ist. Die TRQs wurden über einen Mixed Complementarity Problem (MCP) – Ansatz dargestellt. Dieser erlaubt die endogene Abbildung der Quotenrenten. Zusätzlich wurde eine Befragung von Experten aus dem landwirtschaftlichen Sektor und der verarbeitenden Industrie durchgeführt, aus der Informationen über die Administration der Quoten, die herrschenden Marktstrukturen sowie der daraus resultierenden Verteilung der Quotenrenten gewonnen wurden.

Es hat sich gezeigt, dass die Quotenrenten, die mit den bilateralen Quoten in Zusammenhang stehen, vollständig im exportierenden Land verbleiben. Die, die im Rahmen der multilateralen Zollquoten entstehen, fallen dagegen vollständig den Importeuren in der EU zu. Die Simulationsergebnisse legen nahe, dass die Auswirkungen des EU Vorschlags auf die Handelströme nur gering sind. Würde eine Einigung dagegen auf Basis des Mercosur Vorschlags erzielt, ist mit einem deutlich stärkeren Anstieg der Importe zu rechnen. Es zeigt sich, dass die Quotenrenten und ihre Verteilung für manche Länder und für manche ökonomischen Agenten entscheidend für die Gesamtwohlfahrtseffekte sind, d.h. eine alternative Verteilung der Renten würde zu anderen Wohlfahrtseffekten führen.

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© Universitäts- und Landesbibliothek Bonn | Veröffentlicht: 24.02.2010