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Philosophische Fakultät - Jahrgang 2010

Titel Die Religion der Olmeken von La Venta
Eine religionsarchäologische Analyse
Autor René Dehnhardt
Publikationsform Dissertation
Zusammenfassung Diese Arbeit untersucht auf Basis theoretischer Rahmen-Überlegungen und der archäologischen Funde und Befunde der archäologischen Ausgrabungsstätte La Venta die Religion der Olmeken aus diesem Ort. La Venta ist einer der wenigen archäologisch ausreichend untersuchten Orte der olmekischen Kultur und war etwa zwischen 1100 und 500 v. Chr. ein Zentrum dieser Kultur an der heutigen mexikanischen Golfküste.
Diese religionsarchäologische Studie verwendet einen Ansatz, der von grundsätzlich variablen Inhalten und Ausprägungen einer Religion ausgeht. Damit ist insbesondere bei Religionen ohne eine Heilige Schrift davon auszugehen, dass die Religion einer Kultur zur selben Zeit an unterschiedlichen Orten abweichende Ausprägungen aufweisen kann. Dasselbe gilt innerhalb einer Kultur zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Damit beschränkt sich die Auswertung der Funde und Befunde aus La Venta in erster Linie auf diese selber, d. h. Funde aus anderen Orten, auch aus solchen der olmekischen Kultur, werden nicht zur Deutung selbst, sondern maximal in einem abschließenden Vergleich mit herangezogen. Andere, in der Regel spätere mesoamerikanische Kulturen, spielen entsprechend als Vergleichspartner etwa im Rahmen historischer Analogien keine nennenswerte Rolle.
Die Analyse des archäologischen Materials erfolgt anhand der zugänglichen Dokumentationen. Allein bei deren Auswertung treten schon Widersprüche zu einigen der bislang favorisierten und präsentesten Deutungen und Aussagen zu den Olmeken auf. Im Ergebnis bestätigen die zeitspezifischen Analysen des archäologischen Materials die Variabilität religiöser Manifestationen, d. h. selbst in La Venta war die Ausprägung der Religion in den verschiedenen archäologischen Phasen unterschiedlich und einem Wandel unterworfen. Selbst bei Objektgattungen, die auch an anderen olmekischen Stätten vorkommen, wie die Kolossalköpfe in San Lorenzo, deutet ihre Art und Verwendung auf unterschiedliche Verwendungszeiträume und Nutzungsarten hin, d. h. die Inhalte der mit ihnen verbundenen religiösen Gehalte sind nicht gleichzusetzen.
Ein weiteres Ergebnis betrifft den in der Literatur zu den Olmeken gemeinhin dominierenden Jaguar als Vorbild ihrer stilisierten religiösen Bildnisse. Die in La Venta vorhandenen bildhaften Darstellungen lassen sich mit hoher Wahrscheinlichkeit Schlangen, zum Teil definitiv Klapperschlangen, als Vorbild zuordnen. Auch die Resultate zu den angeblichen Gräbern in La Venta, den Bodenmosaiken, Zeremonialbeilen (engl. celts) und anderen Befunden machen eine Neubewertung notwendig und verlangen nach einem Umdenken über die Olmeken und ihrer Stellung in Mesoamerika.
Der Anhang präsentiert eine ausführliche Diskussion der publizierten Radiokarbon-Daten aus La Venta in Bezug auf die stratigraphische Lage der zugrunde liegenden Kohlenstoff-Proben. Die Kalibrierung der C14-Daten und die Zusammenfassung der signifikanten Daten erlaubt eine präzisere Eingrenzung der Nutzung dieses olmekischen Zentrums und widerspricht unter anderem der weit verbreiteten Meinung, dass La Venta erst nach dem Ende von San Lorenzo seine Blüte erlebte. Laut den Daten beginnt die olmekische Geschichte beider Orte etwa zeitgleich.
Abstract The Religion of the La Venta Olmecs - a religion-archaeological Analysis
This work examines the religion of the Olmecs from La Venta on the basis of considerations within a theoretical framework and the archaeological finds and findings from the archaeological excavations on this site. La Venta is one of the few archaeologically sufficiently examined sites of the Olmec culture. Approximately between 1100 and 500 B.C. it was a major center of this culture lying on today's Mexican gulf coast.
This religion-archaeological study uses an approach, which proceeds from principally variable contents and developments of a religion. Particularly with religions without a scripture or a sacred book it is assumed that the religion can exhibit deviating developments within a single culture at the same time at different places. The same is true within a culture at different times. Thus the evaluation of the finds and findings from La Venta is restricted primarily to these in itself, i.e. finds from other places, even from those of the Olmec culture, are not consulted for the interpretation, but maximally in a concluding comparison. Other, usually later, Mesoamerican cultures do not play a considerable role as comparison partners for instance in the context of historical analogies.
The analysis of the archaeological material uses the accessible documentations. Even during their evaluation arise the first contradictions to some of the most prominent interpretations and statements favored so far in Olmec studies.
In the result the time-specific analyses of the archaeological material confirm the variability of religious manifestations, i.e. even in La Venta was the development of the religion during the archaeological phases different and subject to changes. Even object classes, which also occur at other Olmec places, like the colossal heads in San Lorenzo, point in their kind and use to different use periods and types of use, i.e. religious contents connected with them are not easily to be equated.
A further result concerns the Jaguar as model for Olmec stylized religious pictorial representations, generally dominating in the literature on the Olmecs. The graphic representations existing in La Venta can be linked with high probability to snakes, partly definitively to rattlesnakes, as model. Even the results concerning the supposed graves in La Venta, the buried mosaics, ceremonial axes (celts) and other findings call for a re-assessment and require to a reorientation concerning the Olmecs and their status in Mesoamerica.
The appendix presents a detailed discussion of the published radiocarbon data from La Venta regarding the stratigraphic situation of the corresponding carbon sample. The calibration of the C14-data and the summary of the significant data permit a more precise limitation in time when this Olmec center was in use and contradict among other things the wide-spread opinion that La Venta experienced its bloom only after the end of San Lorenzo. According to the data the Olmec history of both places begins at about the same time.
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© Universitäts- und Landesbibliothek Bonn | Veröffentlicht: 27.01.2010