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Medizinische Fakultät - Jahrgang 2009

Titel Mundhygiene und Mundgesundheit bei Bewohnern von Altenpflegeheimen
Auswirkungen eines Trainingsprogramms für Pflegekräfte auf die Mundgesundheit der Bewohner
Autor Susanne Jäger geb. Brügmann
Publikationsform Dissertation
Zusammenfassung Einleitung: Erhebungen zur Zahnhygiene und Zahngesundheit von Bewohnern in Altenpflegeheimen in verschiedenen Ländern zeigten viele Probleme und hohen Verbesserungsbedarf auf, auch in Deutschland. In vielen Studien wurde der schlechte Wissensstand des Personals über geeignete Mundhygiene, Zeitmangel und die Unwissenheit über Folgen von oralen Erkrankungen für den Gesamtorganismus als Ursache für die schlechte Mundhygiene von zu Pflegenden ermittelt. Vor diesem Hintergrund wurde im Frühjahr 2007 ein Pilotprojekt zur Verbesserung der Zahn- und Mundhygiene von Altenheimbewohnern gestartet. In der auf ein Jahr angelegten Studie wurde untersucht, wie sich die wiederholte intensive Schulung der Pflegerinnen und Pfleger auf die Mundgesundheit der Bewohner auswirkte.
Methode: Es wurden 131 Teilnehmer (91 w / 40 m) mit einem mittleren Alter von 81 Jahren aus 3 Altersheimen bei einer Basisuntersuchung zahnmedizinisch untersucht, Hygieneindices wurden intraoral für Zähne und Zunge sowie extraoral für Zahnersatz erhoben. Das Pflegepersonal wurde nach der Basisuntersuchung theoretisch und praktisch geschult. Die standardisierten Untersuchungen wurden nach 4, 8 und 12 Monaten wiederholt, begleitet durch theoretische und praktische Schulungen des Pflegepersonals. Bei erkennbarem zahnmedizinischem Behandlungsbedarf wurden Empfehlungen schriftlich dokumentiert und weitergeleitet.
Ergebnisse: Zwei Drittel der Untersuchten wurden als hilfebedürftig bei der Mundpflege ermittelt. Die Basisuntersuchung ergab eine sehr hohe Plaquebesiedlung eigener Zähne, eine unzureichende Prothesenpflege und Zungenhygiene sowie eine zahnärztliche Behandlungsnotwendigkeit bei fast der Hälfte der Untersuchten. 53,4% waren zahnlos, 10% besaßen noch mehr als 16 eigene Zähne, von denen 43% kariös oder zerstört waren. Weniger als die Hälfte hatten eine zahnärztliche Betreuung im Heim angegeben. Von 57 ausgesprochenen zahnärztlichen Behandlungsempfehlungen waren nach vier Monaten 29 Behandlungen erfolgt oder begonnen, bei den darauffolgenden Untersuchungen kamen jedoch nur noch vereinzelte hinzu. Die bezahnten Probanden mit einem Plaqueindex bis 1 nahmen um das 2,5-fache auf 25% zu. Der Sulkus- Blutungsindex verbesserte sich ebenfalls. Der Anteil belegter Zungen ging deutlich zurück. Die Verbesserung der Zahnersatzpflege wurde anhand des Denture Hygiene Index bewiesen. Die größten positiven Veränderungen zeigten sich bei der ersten Nachuntersuchung nach vier Monaten. Die erzielten positiven Ergebnisse waren für extraoral zu pflegenden Zahnersatz größer, als bei intraoralen Pflegemaßnahmen. Bei Probanden mit sehr eingeschränkter Handmotorik war der Mundhygienezustand zu Beginn am schlechtesten und verbesserte sich im Laufe der Studie auf Grund der intensiveren Pflege durch das Personal am deutlichsten.
Diskussion: Die Studie belegte, dass durch Schulungen des Pflegepersonals eine Verbesserung der Mundhygiene von Altenheimbewohnern erreicht werden kann, diese aber mit einer regelmäßigen zahnärztlichen Betreuung kombiniert werden sollte. Es sind regelmäßige Schulungen zu fordern, da eine hohe Fluktuation des Personals stattfindet. Eine Eingangsuntersuchung und regelmäßige zahnärztliche Betreuung, die nicht nur beschwerdeorientiert ist, vermeidet Folgen für den Gesamtorganismus, beugt Notfällen vor und kann dem Personal wertvolle individuelle Pflegetipps geben. Eine gute Dokumentation von vorhandenem Zahnersatz und Pflegeanweisungen ist zu fordern und trägt den immer aufwendiger versorgten Restbezahnungen Rechnung.
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© Universitäts- und Landesbibliothek Bonn | Veröffentlicht: 23.11.2009