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Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät - Jahrgang 2009

 

Titel Pharmazeutische Betreuung onkologischer Patienten unter Therapie mit Capecitabin
Autor Sven Simons
Publikationsform Dissertation
Zusammenfassung Die in dieser Arbeit beschriebene Studie hatte das Ziel, den Einfluss einer intensivierten Pharmazeutischen Betreuung auf verschiedene Endpunkte einer onkologischen Therapie mit dem per os applizierbaren Zytostatikum Capecitabin zu untersuchen. Capecitabin ist ein Prodrug des in der Onkologie seit vielen Jahren verbreitet eingesetzten, intravenös verabreichten Fluorouracil und ist in Deutschland als Monotherapie oder in Kombination mit anderen Substanzen zur Behandlung von Mamma- und Kolorektalkarzinoma zugelassen.
Nach Abschluss einer Pilotphase mit dem primären Ziel einer Machbarkeitsuntersuchung des geplanten Studienablaufs begann die Hautphase der Studie mit dem Einschluss des ersten Patienten im Mai 2006. Die Studie wurde multizentrisch und prospektiv im „zeitlich versetzten Kontrollgruppendesign“ durchgeführt. Gemäß der Einschlusskriterien wurden in die Studie Mamma- und Kolorektalkarzinompatienten aufgenommen, die mit einer ambulant durchgeführten Chemotherapie mit Capecitabin begannen und zuvor noch nie mit einem per os applizierbaren Zytostatikum therapiert worden waren. Aus drei onkologischen Krankenhausambulanzen und drei Praxen niedergelassener Onkologen wurden insgesamt 69 Patienten für die Studie gemeldet, von denen jeweils 24 Patienten in die Auswertung der Kontroll- und Interventionsgruppe eingingen.
Die Ergebnisse zeigten in Bezug auf die Compliance, die mittels MEMS®-Technologie gemessen wurde, eine signifikante Verbesserung hinsichtlich des primären Endpunkts tägliche Compliance von 93,80 % in der Kontroll- auf 98,45 % in der Interventionsgruppe (Medianwerte, p = 0,029, Mann-Whitney U). Auch hinsichtlich der täglichen Compliance ohne therapiefreie Tage war die erzielte Verbesserung (91,35 % vs. 97,95 %) statistisch signifikant (p = 0,037), in Bezug auf die Gesamtcompliance wurde das geforderte Signifikanzniveau knapp verfehlt (96,15 % vs. 99,00 %, p = 0,069). In der intensiv pharmazeutisch betreuten Interventionsgruppe wies kein Patient eine tägliche Compliance < 80 % auf, in der Kontrollgruppe traf dies auf sechs Patienten (25 %) zu. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Patient zum Ende der Beobachtungszeit (126 Tage) noch mit Capecitabin therapiert wurde, lag in der Interventionsgruppe mit 83 % signifikant höher als in der Kontrollgruppe mit 48 % (p = 0,019, log Rank). Das relative Risiko, ein Einnahmeintervall < 10 oder > 14 Stunden zu finden, war in der Interventionsgruppe halb so groß wie in der Kontrollgruppe. Die Number Needed to Treat zur Verhinderung eines solchen Intervalls durch Pharmazeutische Betreuung lag bei 6. Dies entspricht im Fall von Capecitabin einer Therapiedauer von drei Tagen. Die Lebensqualitätsmessungen mit dem krankheitsspezifischen EORTC QLQ-C30-Fragebogen ergaben insgesamt keine signifikanten Unterschiede zwischen der Kontroll- und Interventionsgruppe. Lediglich bezüglich der Funktionalitätsskala Rollenfunktion ergab sich hier ein signifikanter Vorteil für die Interventionsgruppe. Auch das Auftreten bzw. der Schweregrad des Hand-Fuß-Syndroms ließ sich durch die Intervention nicht signifikant verbessern. Bezüglich der Patientenzufriedenheit mit der Information, die mit einer für diese Studie angepassten Version der deutschen Übersetzung des PS-CaTE-Fragebogens erfasst wurde, ließ sich am Ende der Studie in allen Skalen eine signifikante Überlegenheit der Interventionsgruppe feststellen. Die Befragung der Patienten der Interventionsgruppe ergab sehr hohe Zufriedenheitswerte mit der erhaltenen Pharmazeutischen Betreuung. Alle befragten Patienten würden sich in Zukunft wieder für die Inanspruchnahme dieser Dienstleistung entscheiden.
Die Studie zeigte, dass Pharmazeutische Betreuung einen signifikanten Beitrag zur Complianceförderung von Patienten unter per os applizierbarer Chemotherapie leisten kann. Wahrscheinlich bedingt durch die geringe Fallzahl und die Heterogenität des Patientenkollektivs konnte dieser Effekt nicht für den sekundären Endpunkt Lebensqualität gezeigt werden. Zum Management des Hand-Fuß-Syndrom bedarf es weiterhin der Entwicklung effektiver Maßnahmen zu Prophylaxe und Therapie, die dann auch im Rahmen der Pharmazeutischen Betreuung eingesetzt werden könnten.
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Bemerkung Diese Arbeit ist 2009 im Verlag Dr. Hut unter der ISBN 978-3-86853-024-7 erschienen.

© Universitäts- und Landesbibliothek Bonn | Veröffentlicht: 20.05.2009