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Philosophische Fakultät - Jahrgang 2008

 

Titel

Die Welt als Garten
Zur Tradition der hortologischen Dichtung im polnischen Barock

Autor

Barbara Rossenbach

Publikationsform

Dissertation

Zusammenfassung

Die vorliegende Arbeit untersucht anhand zahlreicher literarischer Quellen die Präsenz, die Bedeutung und die Charakteristik der hortologischen Dichtung im polnischen Barock.
In der polnischen Barockdichtung lässt sich sowohl in sakralen wie auch in profanen Werken eine reichhaltige und vielfältige Präsenz des Topos des Gartens nachweisen. Dieser wird von einem Neben- oder Randmotiv bis zu einem zentralen Hauptmotiv variiert. Dementsprechend kann er unmittelbar oder in Verbindung mit anderen literarischen Topoi und Motiven den gesamten Inhalt eines lyrischen Werkes bestimmen.
In der religiösen Barockdichtung werden neben dem Motiv des Paradiesgartens auch die leidenschaftliche, aber rein geistliche Liebe und deren Beeinflussung durch die floristisch-gärtnerische Metaphorik des Hoheliedes und die christliche Heilsgeschichte im hortologischen Rahmen dichterisch verarbeitet. Gemäß der barocken Widersprüchlichkeit wird der Labyrinth-Garten als Gegengarten zum Paradies und als Symbol der weltlichen bzw. sündhaften Lebensweise oder der frevelhaften Welt eingesetzt. Als Elemente der Suche nach Gott werden die Gärten der Selbsterkenntnis und der Kalvarienberge als Ort der Buße verwendet. Ebenso ist das Motiv des Baumes mit seiner vielseitigen Symbolik in der sakralen Barockdichtung relevant, welches durch Paradiesbäume, den Baum des Kreuzes oder das Motiv des Baumes als Gleichnis der menschlichen Existenz versinnbildlicht wird. Besondere Bedeutung besitzt das Motiv der Jungfrau Maria mit seiner reichen traditionsgebundenen Symbolik, der Mariendichtung des 17. Jahrhunderts und den damit verbundenen Motiven des ’hortus conclusus’ und der Blumenmetaphorik. In diesem Zusammenhang lassen sich auch die wechselseitigen Beziehungen zwischen der marianischen und christologischen Symbolik feststellen.
In der profanen polnischen Barockdichtung dominiert dagegen die weltliche Liebesthematik, welche die lange Tradition der europäischen, mit Blumenmetaphorik erfüllten Liebessprache aufzeigt. Die Verbindung von Garten, Kunst und Liebe und dessen Verarbeitung in der Barocklyrik taucht z.B. in der Schilderung der Frauenschönheit und in der Darstellung des Lustgartens der Liebesgöttin Venus auf. Im Gegensatz zum anmutigen Venusgarten steht der Garten der unerwiderten Liebe mit seinen täuschenden Herrlichkeiten als Ort des Kummers und der Enttäuschung. Zum Abschluss runden die im Zusammenhang mit dem Lobpreis des Landlebens stehenden Darstellungen zur polnischen Landadelsdichtung des profanen Gartens das Themengebiet ab und ergründen deren historische Ursprünge und die Beziehung zu Garten und Natur.
In dem so entstandenen Bild des Topos des Gartens in der polnischen Barockdichtung spiegeln sich anschaulich die Eigenheit und der Geist des Barockzeitalters wider. Seine Besonderheit lässt sich auf sprachlicher Ebene vor allem an der neuen dichterischen Ausdruckform jenes Zeitalters aufzeigen und an dem Streben der Dichter nach neuartigem Umgang mit der Sinngebung eines vertrauten Stoffs.

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© Universitäts- und Landesbibliothek Bonn | Veröffentlicht: 2008