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Philosophische Fakultät - Jahrgang 2008

 

Titel Prospektives Gedächtnis bei Patienten mit Schädel-Hirn-Trauma
Autor Johanna Louda
Publikationsform Dissertation
Zusammenfassung Hintergrund: In der Bundesrepublik Deutschland ereignen sich pro Jahr etwa 300 Schädel-Hirn-Traumen auf 100.000 Einwohner. In Folge eines Schädel-Hirn-Traumas (SHT) leiden viele Patienten an kognitiven Defiziten, welche sowohl die berufliche Rehabilitation als auch die Wiederaufnahme eines selbständigen Lebens erschweren können. Besonders gut dokumentiert sind beispielsweise Gedächtnis- und Aufmerksamkeitsdefizite sowie Beeinträchtigungen der exekutiven Funktionen. Eine kognitive Funktion, welche hierbei bislang wenig Beachtung gefunden hat, ist das prospektive Gedächtnis. Als „prospektives Gedächtnis“ wird die Fähigkeit bezeichnet, sich zur richtigen Zeit daran zu erinnern, zuvor gefasste Handlungsabsichten auszuführen. Alltägliche Beispiele sind das Einhalten von Terminen, das Einwerfen eines Briefes auf dem Heimweg oder die Einnahme von Medikamenten zu bestimmten Tageszeiten.
Methode: In der vorliegenden Studie wurden 40 SHT-Patienten und 40 gesunde Kontrollpersonen mit einer umfassenden neuropsychologischen Testbatterie untersucht. Neben dem prospektiven Gedächtnis wurden auch Aufmerksamkeitsleistungen, retrospektives Gedächtnis, Exekutivfunktionen, Alltagskompetenz, depressive Symptomatik und die Selbsteinschätzung der prospektiven Gedächtnisfähigkeiten erfasst. Zur Messung der prospektiven Gedächtnisleistung wurden zwei verschiedene Aufgabentypen verwendet. Bei der einen Hälfte der prospektiven Gedächtnisaufgaben handelte es sich um so genannte zeitbasierte Aufgaben (die Umsetzung der Handlungsabsicht musste nach Ablauf einer definierten Zeitspanne erfolgen) und bei der anderen Hälfte handelte es sich um so genannte ereignisbasierte Aufgaben (die Umsetzung der Handlungsabsicht musste nach Auftreten eines bestimmten Hinweisreizes erfolgen).
Ergebnisse: Die SHT-Patienten waren in ihren ereignisbasierten prospektiven Gedächtnisleistungen beeinträchtigt und überschätzten ihre diesbezüglichen Fähigkeiten. Im Rahmen der erfassten kognitiven Variablen war das prospektive Gedächtnis diejenige Funktion, die am besten zwischen Patienten und Kontrollpersonen diskriminieren konnte. Bei einer regressionsanalytischen Auswertung ließ sich die prospektive Gedächtnisleistung der Patienten besser aus den anderen kognitiven Variablen vorhersagen als die der Kontrollpersonen. Zudem leisteten bei Patienten und Kontrollprobanden unterschiedliche kognitive Funktionen einen bedeutsamen Beitrag zur Vorhersage der prospektiven Gedächtnisleistung. Die Alltagskompetenz der Patienten ließ sich auf der Basis ihrer kognitiven Fähigkeiten vorhersagen. Hierbei erwies sich das (zeitbasierte) prospektive Gedächtnis als der bedeutsamste Prädiktor.
Fazit: Sowohl die defizitären prospektiven Gedächtnisleistungen der SHT-Patienten als auch die bedeutende Rolle, die dem prospektiven Gedächtnis im Hinblick auf die Alltagskompetenz zukommt, lassen eine stärkere Berücksichtigung des prospektiven Gedächtnisses in der neuropsychologischen Diagnostik und Rehabilitation von SHT-Patienten notwendig erscheinen. Im Rahmen der Ergebnisdiskussion werden weitere Implikationen für den klinischen Bereich dargestellt und es werden verschiedene theoretische Schlussfolgerungen gezogen. Unter anderem werden die kognitiven und nicht-kognitiven Faktoren, die die prospektive Gedächtnisleistung beeinflussen, näher beleuchtet und die Rolle von metakognitiven Prozessen wird erörtert. Die Ergebnisse werden unter Berücksichtigung der Differenzierung von ereignis- und zeitbasierten Aufgaben diskutiert.
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© Universitäts- und Landesbibliothek Bonn | Veröffentlicht: 2008