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Medizinische Fakultät - Jahrgang 2007

 

Titel Fehlender Einfluss einer endogen oder exogen bedingten latent hyperthyreoten Stoffwechsellage auf eine systemische Antikoagulationstherapie mit Cumarinderivaten bei Patienten mit benignen Schilddrüsenerkrankungen
Autor Anna Maria Eva Naubereit
Publikationsform Dissertation
Zusammenfassung In der vorliegenden Studie werden die Ergebnisse einer retrospektiven Untersuchung zu einem möglichen Einfluss einer endogen oder exogen bedingten latent hyperthyreoten Stoffwechsellage auf eine systemische Antikoagulationstherapie mit Cumarinderivaten bei Patienten mit benignen Schilddrüsenerkrankungen dargestellt.
Es wurden die International Normalized Ratio-Werte von 233 systemisch antikoagulierten Patienten, die in der Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin des Universitätklinikums Bonn eine Radioiodtherapie zur Behandlung einer gutartigen Schilddrüsenerkrankung erhalten haben, unter verschiedenen Schilddrüsenstoffwechselbedingungen untersucht, wobei der Fokus auf eine latent hyperthyreote Stoffwechselsituation gerichtet war.
Bei der Korrelation zwischen den International Normalized Ratio-Werten und den Werten der verschiedenen untersuchen Schilddrüsenhormone der in die Studie eingeschlossenen Patienten zeigte sich lediglich eine moderate positive, jedoch signifikante Korrelation zwischen den International Normalized Ratio-Werten und dem freiem Thyroxin; zwischen den International Normalized Ratio-Werten und den anderen Schilddrüsenhormonen (Thyreotropin, Triiodthyronin und Thyroxin) konnte kein statistisch signifikanter Zusammenhang festgestellt werden.
Des Weiteren wurden Patienten mit latenter Hyperthyreose mit denen mit einer Euthyreose beziehungsweise einer manifesten Hyperthyreose verglichen. Hierbei wurden in Bezug auf die Gerinnung keine signifikanten Unterschiede zwischen den einzelnen Gruppen gefunden, weder bei den reinen International Normalized Ratio-Werten, noch im Bezug auf pathologisch erhöhte beziehungsweise erniedrigte International Normalized Ratio-Werte (also International Normalized Ratio-Werte < 2,0 oder > 3,0). Signifikante Unterschiede fanden sich nur bei der Inzidenz des Morbus Basedow, beim mikrosomalem Antikörper, beim Thyroidearezeptor-Antikörper und bei der Einnahme von Digitalispräparaten, sowie bei der Glutamat-Pyruvat-Transaminase und der Einnahme von Kalzium-Antagonisten. Ein Einfluss der Schilddrüsenstoffwechsellage auf die Gerinnung beziehungsweise das Erreichen des therapeutischen Bereiches bei systemischer Antikoagulation konnte somit durch unsere Daten nicht bestätigt werden.
Zusätzlich wurde eine multivariate logistische Regressionsanalyse durchgeführt. Unabhängige Variable, die mit einem International Normalized Ratio-Wert oberhalb des therapeutisch angestrebten Bereiches, also im Bereich von > 3,0, verknüpft waren, stellten in dieser Untersuchung bei der Gesamtgruppe der Patienten die Einnahme von Antibiotika und von Nitraten, bei der latent hyperthyreoten Gruppe nur die Einnahme von Antibiotika dar. In der Gesamtgruppe aller untersuchten Patienten zeigte sich darüber hinaus eine signifikant verringerte Wahrscheinlichkeit für eine verminderte antikoagulatorische Wirkung (International Normalized Ratio-Werte < 2,0) unter der Einnahme von Angiotensin-Converting-Enzyme-Hemmern. In der Gruppe der latent hyperthyreoten Patienten wurde zudem ein Zusammenhang sowohl zwischen der Einnahme von Thyreostika als auch zwischen Thyreotropin-Werten < 0,1 und einer therapeutisch nicht ausreichenden Antikoagulation (International Normalized Ratio-Werte < 2,0) festgestellt.
Auch ein intraindividueller Vergleich bei 40 Patienten zwischen euthyreoter und latent hyperthyreoter Schilddrüssenstoffwechsellage zeigte keine signifikanten Unterschiede zwischen den International Normalized Ratio-Werten bei Euthyreose und latenter Hyperthyreose. Ebenso wenig konnte unter latent hyperthyreoten Stoffwechselbedingungen ein signifikantes Abweichen der International Normalized Ratio-Werte über oder unter den angestrebten therapeutischen Zielbereich beobachtet werden.
Aus diesen Daten kann gefolgert werden, dass eine latente Hyperthyreose die Gerinnung mit Vitamin-K-Antagonisten behandelter Patienten nicht signifikant beeinflusst. Ein Einfluss der Schilddrüsenstoffwechsellage auf die Gerinnungssituation ergibt sich nach den vorliegenden Daten allein über das freie Thyroxin. Daraus lässt sich schließen, dass möglicherweise eine manifeste Hyperthyreose mit entsprechend erhöhten peripheren Schilddrüsenhormonen im Gegensatz zu einer latenten Hyperthyreose einen Einfluss auf die Gerinnung unter systemischer Antikoagulation hat. Hierzu wären zukünftige, weiterführende Studien an großen Patientenkollektiven wünschenswert, wobei diese aus verschiedenen Gründen (länger andauernde manifest hyperthyreote Stoffwechsellage klinisch wie ethisch nicht vertretbar) schwer realisierbar sind.
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© Universitäts- und Landesbibliothek Bonn | Veröffentlicht: 2007