Hinweis zum Urheberrecht| Allgemeine Informationen | FAQ
Beim Zitieren dieses Dokumentes beziehen Sie sich bitte immer auf folgende URN: urn:nbn:de:hbz:5-10642

Philosophische Fakultät - Jahrgang 2007

 

Titel Das literarische Gesicht
Moderne Beispiele im Werk Heinrich von Kleists und Franz Kafkas
Autor Claudia Vitale
Publikationsform Dissertation
Zusammenfassung Meine Dissertation unternimmt einen Vergleich zwischen Kleist und Kafka aus der Perspektive der Körperdarstellung und speziell der Bedeutung, die dem menschlichen Gesicht in den Texten zukommt.
Für Kleist ebenso wie für Kafka ist die “Seele” des Menschen in sich versperrt, das Innen findet keinen mitteilbaren Weg nach Außen, und damit ist eine psychologische Darstellung der Figuren, Kern des klassisch-realistischen Erzählens, unmöglich geworden. Gerade die Unlesbarkeit der Psyche aber treibt die Entzifferungsanstrengung an, das Rätsel des Inneren wird zur Energie eines zur Unmöglichkeit verurteilten hermeneutischen Unternehmens, das aber – und das ist die Grundthese meiner Untersuchung – noch und gerade in dieser Vergeblichkeit von dem Festhalten an dem Wahrheitsanspruch zeugt, der seit der jüdisch-christlichen und dann der frühen neuzeitlichen Tradition an das menschliche Gesicht gestellt wurde.
Die Arbeit ist in drei Teile gegliedert: Im ersten Kapitel („Das Gesicht als privilegierter Ort des Menschlichen“) handelt es sich um den biblischen und etymologischen Hintergrund der Doppelbedeutung von “Gesicht” als Sehsinn einerseits und als visionäres Sehen andererseits; das zweite – und längste - Kapitel über Kleist („Mir waren die Gesichter der Menschen zuwider. Heinrich von Kleists literarische Gesichter“) schließt an die neuere Forschung an, die den Körper und die Unlesbarkeit des Körperausdrucks als wesentliches Moment des Kleistischen Schreibens herausgearbeitet und hierin eine entscheidende Differenz zum hermeneutischen Diskurs der Klassik gesehen hat. Zugleich ist für Kleist das Gesicht noch immer der Ursprungsort der Wahrheit des Menschen; er hält an einem Authentizitätsideal fest, an das er dennoch nicht mehr zu glauben vermag; das dritte, Kafka gewidmete Kapitel („Fester als bei dieser Nase kann man ein Gesicht nicht fassen. Franz Kafkas literarische Fratzen-Gesichter“) trägt die These vor, daß einerseits der mit dem Gesicht verbundene philosophisch-theologische und anthropologische Wahrheitsanspruch noch einmal gegenüber Kleist zurückgenommen wird, andererseits jedoch die Kunst – und sie allein – noch eine letzte Möglichkeit bietet, menschliche Unschuld im Gesicht aufscheinen zu lassen.
Die Affinität des poetischen Werks von Kleist und Kafka, die seit langem ein germanistischer Topos ist, wird in der Dissertation neu und genauer untersucht, nämlich aus der Perspektive der Symbolik des Gesichts: In beiden Autoren ist die Ambivalenz hinsichtlich des Gesichts als Offenbarung von Menschlichkeit vorhanden. Das Gesicht stellt die letzte Spur des Göttlichen im Humanen dar aber gleichzeitig beweist es die ganze Fragilität des modernen Ichs.
Komplette Version pdf-Dokument (1 MB) Hier können Sie den Adobe Acrobat Reader downloaden
© Universitäts- und Landesbibliothek Bonn | Veröffentlicht: 2007