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Philosophische Fakultät - Jahrgang 2007

 

Titel Metamorphosen – Belebungs- und Mortifikationsstrukturen im Werk Heinrich von Kleists
Autor Carola Dorner
Publikationsform Dissertation
Zusammenfassung Geschichten von Leben und Kunst, von Belebungen, Erstarrungen und Mortifikationen durchziehen wie ein roter Faden das Werk Heinrich von Kleists. Bringt man seine Texte in Verbindung mit Ovids „Metamorphosen“, so werden Muster und Strukturen dieser Belebungen und Abtötungen sichtbar. Ovids Mythe vom Künstler Pygmalion, der sich in seine Statue verliebt, die schließlich durch die Göttin Venus belebt wird, bildet den zentralen Bezugspunkt der Arbeit.
Pygmalion-Remineszenzien gibt es bei Kleist nicht. Pygmalion wird als strukturelles Muster aufgefasst, mit dessen Hilfe verschiedene Subjektpositionen, sowie die Zusammenhänge von Belebung und Mortifikation offensichtlich werden. Schon bei Ovid wird die glückliche Belebung der Statue umrahmt von Geschichten der Erstarrung und Zerstückelung. Die Belebung des toten Artefakts und die artifizielle Tötung des Lebendigen werden auch hier nicht als gegensätzliche Pole verstanden. Bei Kleist kann dieser prozessuale Charakter von Belebung und Mortifikation evident gemacht werden. Das Verhältnis von Verlebendigung und Abtötung erscheint als Übergang, das Verhältnis von tot und lebendig als oszillierendes Kontinuum. Exemplarisch steht für diesen Prozess das Reich zwischen Tod und Exil in Ovids „Metamorphosen“, das sich unmittelbar mit der Substitutionsproblematik in Kleists Texten in Verbindung bringen lässt. Unter der Signatur des Pygmalion-Codes können Strukturen aufgezeigt werden, die bei Kleist zwar vertraut sind, aber unter diesem Blickwinkel neue Konsistenz und Evidenz gewinnen.
Die Belebung des Kunstwerks setzt eine Diskussion in Gang, die immer auch die Selbstvergleichung des Menschen mit Gott mitverhandelt. Die Kunstproblematik wird hier zum Medium der Machtkämpfe zwischen Göttern und Menschen. Tritt bei Ovids Pygmalion die belebende Göttin in Erscheinung, so wird, wenn „Pygmalion“ im 18. Jahrhundert zum Kennwort der Autonomieästhetik avanciert, die göttliche Belebungsinstanz kassiert. Auf dem Spiel steht hier nichts anderes als das Recht des Menschen zur gottgleichen Schöpfung. Diese Problematik wird vor allem in den ersten drei Kapiteln der Arbeit entwickelt. Neben Kleists Künstlerbriefen, einigen kleineren Texten aus den Abendblättern und der Idylle „Der Schrecken im Bade“, werden auch Überlegungen von Winckelmann und Karl Philipp Moritz hinzugezogen. Wie gezeigt wird, kann Kleist als Höhe- und schließlich als Endpunkt der Pygmalion-Obsession der Kunstperiode gelesen werden.
Den Kern der Arbeit bildet die Analyse der beiden Dramen, in denen die Thematik vergöttlichender Projektion im Zentrum steht und den Figurenaustausch bestimmt. In „Amphitryon“ gewinnen die transzendenten Aspekte der Künstlerproblematik im Zusammenhang von Ästhetik und Machtkampf an Relevanz. Die Allmacht des Künstlers droht in ihr Gegenteil umzuschlagen, wenn das Kunstwerk vollkommen gelingt. Weil die Vorstellung des absolut gelingenden Kunstwerks seine Selbstaufhebung als Kunst impliziert, ist die Macht des Künstlers (und des Gottes) immer zugleich auch seine Ohnmacht.
In „Penthesilea“ kommen die Prozesse von Belebung und Mortifikation schließlich zum Stillstand. Penthesileas potenzierte Mortifikation, in Form der Tötung des bereits toten Achill, macht Göttervergleichung, Kunst- und Erben 12.07.2018 ird das Geschlecht der Schöpfer und Werke, das mit der Künstlerfigur Pygmalion seinen Anfang genommen hatte, zu seinem Ende gebracht.
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© Universitäts- und Landesbibliothek Bonn | Veröffentlicht: 2007