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Medizinische Fakultät - Jahrgang 2007

 

Titel Wirksamkeit, Sicherheit und Lebensqualität der Interferon-β-1a Therapie von Patienten mit steroidrefraktärer Colitis ulcerosa
Autor Peter Matthias Echterhoff
Publikationsform Dissertation
Zusammenfassung Einleitung: Bei der Colitis ulcerosa handelt es sich um eine chronisch entzündliche Darmerkrankung unklarer Ätiologie. Bei der Behandlung stehen operative und medikamentöse Therapieverfahren zur Verfügung. Gemeinsamer Angriffspunkt der medikamentösen Behandlung ist die unspezifische Hemmung der Entzündungsreaktion in der Mukosa des Darms. Thema dieser Arbeit ist die Untersuchung der Wirksamkeit und Sicherheit von subcutan verabreichtem Interferon-β-1a bei der Therapie von Patienten mit steroidrefraktärer Colitis ulcerosa bezüglich der Remissions- und Responseraten sowie die Erfassung möglicher unerwünschter Nebenwirkungen unter der Interferontherapie in Qualität und Quantität. Des Weiteren wird die Lebensqualität der Patienten im Rahmen der Studie evaluiert.
Methode: Von Februar 1998 bis Januar 2001 wurden 95 an Colitis ulcerosa erkrankte Patienten, bei denen eine steroidrefraktäre Behandlungssituation gegeben war, in unserer Studie behandelt. Die Patienten wurden nach Randomisierung entweder der Studiengruppe A (n = 32), B (n = 33) oder C (n = 30) zugeteilt. Gruppe A wurde 1 MIU IFN-β-1a, Gruppe B mit 3 MIU IFN-β-1a behandelt und Gruppe C war die Kontrollgruppe, die eine Placebomedikation erhielt. Die Applikation des IFN-β-1a erfolgte dabei 3-mal wöchentlich subcutan, die individuelle Begleitmedikation der Patienten wurde fortgeführt. 22 der 95 Patienten beendeten die achtwöchige Studienphase vorzeitig, so dass am Ende der Studienreihe 73 Patienten (76,8 %) ausgewertet werden konnten. Die ermittelten Daten wurden in Studienprotokollen und Patiententagebüchern dokumentiert und retrospektiv ausgewertet.
Ergebnis: Zu Beginn der Studie betrug der Median des CAI in den Gruppen A und C 10 Punkte, in der Gruppe B 9 Punkte, der Endoskopische Index betrug in den Gruppen A und B 10 Punkte, in Gruppe C 9 Punkte. Eine Response wurde von 10 Patienten (41,7 %) der Gruppe A erreicht, in Gruppe B von 18 Patienten (64,3 %) und in Gruppe C respondierten ebenfalls 10 Patienten (47,6 %). Die mittlere Zeit bis zur Response betrug bei den Patienten der Gruppe A 34,3 ± 20 Tage (Median: 27,5 Tage), in Gruppe B 32,1 ± 17,9 Tage (Median: 29,0 Tage) und in Gruppe C 36,2 ± 16,4 Tage (Median: 39,0 Tage). Die Remissionsraten lagen in Gruppe A bei 33,3 % (n = 8), in Gruppe B bei 64,3 % (n = 18) und in Gruppe C bei 47,6 % (n = 10). In allen drei Gruppen konnte eine Reduktion des Endoskopischen Index beobachtet werden, in Gruppe A um 40 % auf 6 Punkte, in Gruppe B um 50 % auf 5 Punkte und in Gruppe C um lediglich 30 % auf 6 Punkte. Im Verlauf der Studie konnte die Steroiddosis in der Gruppe A im Mittel um 5,5 mg gesenkt werden, in der Gruppe B um 11,7 mg und in der Gruppe C wurde eine Reduktion von 9,5 mg erreicht. Von uns beobachtete unerwünschte Nebenwirkungen der Therapie waren vornehmlich Interferon-assoziiert, am häufigsten schilderten die Patienten Kopfschmerzen, Fieber, Schüttelfrost und Arthralgien, sowie Übelkeit und Erbrechen. In der Placebogruppe C traten diese Ereignisse erwartungsgemäß seltener auf. Schwerwiegende Komplikationen oder gar Todesfälle wurden nicht beobachtet. Die Lebensqualität, erfasst mittels IBDQ, wurde von den Patienten unter der achtwöchigen Studienmedikation als gut bis sehr gut bewertet, die beste Beurteilung fand sich in Gruppe B. Schlussfolgerung: Bei der Therapie der steroidrefraktären Colitis ulcerosa steht mit subcutan verabreichtem Interferon-β-1a wahrscheinlich eine weitere Behandlungsmöglichkeit zur Verfügung. Die Anwendung von Interferon-β-1a ist nebenwirkungsarm und sicher und zeigt eine positive Bewertung bezüglich der Beurteilung der Lebensqualität.
Unsere Studienergebnisse ergeben aber auf Grund der fehlenden statistischen Signifikanz leider keinen sicheren Hinweis auf eine nachhaltigen Nutzen oder Effektivität von Interferon-β-1a in der Behandlung der chronischen, steroidrefraktären Colitis ulcerosa. Um eindeutigere Empfehlungen aussprechen zu können bedarf es weiterer klinischer Untersuchungen zu diesem möglichen Therapieansatz.
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© Universitäts- und Landesbibliothek Bonn | Veröffentlicht: 2007