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Philosophische Fakultät - Jahrgang 2006

 

Titel Sibirien – Russlands “Wilder Osten”
Mythos und soziale Realität im 19. und 20. Jahrhundert
Autor Eva-Maria Stolberg
Publikationsform Habilitation
Zusammenfassung Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Erschließung Sibiriens im 19. und 20. Jahrhundert unter transregionalen und globalen Fragestellungen.
Als Binnenkolonie kam Sibirien die Bedeutung als transkulturelle Kontaktzone zwischen Russland und dem ostasiatisch-pazifischen Raum zu. Dabei zeigt es sich, dass die linear konstruierte russische Nationalhistoriografie nicht auf die asiatische Peripherie Russlands übertragen werden kann. Die Geschichte der Peripherie muss dabei in das System der internationalen Beziehungen einbezogen werden, wobei im Sinne einer "Scharnierfunktion" die Interdependenz von Politik-, Sozial- und Kulturgeschichte offensichtlich wird. Transregionale und transkulturelle Geschichte stellen die Frage nach Raumordnungen in der Geschichte. Im Zarenreich wurde mit dem Aufkommen des Imperialismus die Frage nach Raumordnungen, in der Sowjetunion nach der Oktoberrevolution, vor allem im Stalinismus aktuell. Dabei zeigte es sich, dass diese Raumordnungen aus der Perspektive des unterwerfenden Zentrums erfolgten.
Kolonialismus und Imperialismus lassen sich jedoch nicht allein durch die Handlungsweisen und -motive der Metropole, d.h. des europäischen Russland erklären, sondern es handelt sich um Kräfte, die gerade in Grenzgesellschaften zum Tragen kamen, die das Brennglas für den ausgreifenden Kolonialismus und Imperialismus darstellten. Der Untersuchungszeitraum der Studie bezieht sich auf die Industrialisierungsprozesse des 19. Jahrhunderts bis zum Ende des 20. Jahrhunderts. Im Unterschied zu früheren Jahrhunderten wurde Sibirien in dieser Phase in die geopolitischen Konflikte des ostasiatisch-pazifischen Raumes einbezogen (Russisch-Japanischer Krieg, Sibirien-Intervention, Zweiter Weltkrieg). Darüber hinaus kam Sibirien als Grenzgesellschaft eine symbolische Ordnung zu. Die Expansion in binnenkontinentale Räume wird im allgemeinen im Zusammenhang mit Nordamerika, aber auch mit Australien und Südamerika in Verbindung gebracht. Die Studie thematisiert den Aspekt der "Siedlungsgrenze", die ursprünglich von dem amerikanischen Historiker Frederick Jackson Turner zu Ende des 19. Jahrhunderts (frontier) geprägt worden war.
In Abwandlung zur ursprünglichen Turner-These geht die vorliegende Arbeit davon aus, das die Siedlungsgrenze immer zwei Seiten hat und dazu einlädt, über Variablen in historischen Kolonisationsprozessen zu sprechen. Diese Variabilität macht sich durch eine oszillierende Annäherung und Distanz zwischen "Eigenem" und "Fremdem" bemerkbar.
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© Universitäts- und Landesbibliothek Bonn | Veröffentlicht: 2006