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Philosophische Fakultät - Jahrgang 2006

 

Titel Motivische Textur als ästhetische Selbstreferenz
Zur Komposition von Thomas Manns Roman "Der Zauberberg"
Autor Markus Lorenz
Publikationsform Dissertation
Zusammenfassung Die Abhandlung rekurriert auf den dem Zauberberg-Roman eingeflochtenen Kommentar, daß die Zeit das apriorische Element sowohl des Lebens als auch der Erzählung sei, so daß sie und jene zum narrativen gleichwie narratologischen Sujet werden. Die dergestalt in symbolisch-allegorischer Selbstbezüglichkeit des Erzählduktus zwischen inhaltlicher und formaler künstlerischer Ebene vermittelnde Instanz der Zeit wird in der Romanhandlung ausdrücklich als ‚nicht eigentlich’ bezeichnet. Die epische Komposition des Zauberbergs präsentiert ein Geflecht semantischer Vermittlungen und artifiziell exakt kalkulierter motivischer Korrelationen, welche die vom Autor Thomas Mann hervorgehobene Doppelbedeutung des Terminus ‚Zeitroman’ erzählerisch konkretisieren: zum einen im Verstande des historisch-gesellschaftskritischen Zeitromans auf der in der Tradition des narrativen ‚Realismus’ angesiedelten Ebene der ‚referentiellen Welt’; zum anderen als philosophische Expedition in eine allegorisch reflektierende Sphäre, welche die quasi transzendentalen Konditionen des erzählerischen Unterfangens autoreferentiell ausleuchtet. Die für die referentielle gleichwie die poetologisch-selbstreflexive Ebene konstitutive ‚Nicht-Eigentlichkeit’ des Basisfaktors der Zeit produziert in Thomas Manns Jahrhundertroman einen durchgängigen poetisch-semantischen Mehrwert polyvalent verwobener literarischer Konfigurationen. Diese konstituieren ein universal vermittelndes ästhetisches und intellektuelles Beziehungsgeflecht, welches jegliche Eindeutigkeit sprachlicher oder weltanschaulich-ideologischer Fixierungen verweigert und ein komplexes Netz semantischer Streuungen und dezentraler Metaphorisierungsprozesse in Bewegung hält, und zwar als komplementären dialektischen Prozeß von plastisch-synthetischen und kritisch-analytischen dichterischen Verfahrensweisen. Die für den klassisch-modernen Bildungsroman und seine parodistischen Implikaturen relevante Resistenz gegenüber interpretatorischen Dogmatismen findet im Roman ihren Niederschlag als erzählerischer Perspektivismus, als die Kunst invertierter wiederholter Spiegelungen, als konsequent hermeneutisch-zirkuläre ‚Dekonstruktion’ monolinearer Interpretationsvorgaben kausaler, teleologischer und anthropomorphisierender Provenienz, als Verweigerung gegenüber einem metaphysischen Ursprungsgedanken in Bezug auf die empirische gleichwie die poetische Welt, bzw. auch als ironische Verabschiedung der Idee eines transstrukturellen archimedischen Punktes, welcher als illusionärer interpretatorischer Garant für die realiter unhintergehbare Zirkularstruktur des ästhetisch-kognitiven Welt- und Werkverständnisses gelten könnte.
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© Universitäts- und Landesbibliothek Bonn | Stand: 2006