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Philosophische Fakultät - Jahrgang 2005

 

Titel Avantgarde und Komik
zwischen bildenden und darstellenden Künsten
Autor Donatella Chiancone-Schneider
Publikationsform Dissertation
Zusammenfassung Bei Futurismus, Dada und Surrealismus steht die Komik ganz im Vordergrund: die Avantgardisten zeigen die Tendenz, Kunst und Kultur spielerisch zu betrachten und Humor, Scherz, Lachen und Spaß ernst zu nehmen. Die Klassische Moderne sieht die ideologische und stilistische Nähe verschiedener Formen der Komik zu ihrer Ästhetik in allen Bereichen der künstlerischen Tätigkeit: Literatur, Malerei, Bildhauerei, Theater, Film. Helden und Vorbilder der Avantgardisten sind dementsprechend Zirkus-Clowns und Varieté-Komiker sowie die populärsten Darsteller des Slapsticks. Ironische Manifeste, satirische Verse und sarkastische Schriften kennzeichnen die Literatur von Futurismus, Dada und Surrealismus. Lustige Bilder, schiere Karikaturen, ausgefallene Spiele braucht man bei diesen Avantgarden gar nicht zu suchen, da sie in deren Produktion kontinuierlich auffallen.
Futuristen, Dadaisten und Surrealisten beschäftigen sich sehr intensiv mit der Komik in der Theorie und in der Praxis. Trotz der ästhetischen Unterschiede haben alle drei Avantgardebewegungen gewiße Motive sowie Einsatzgebiete der Komik gemeinsam. Durch ihre Komik wollen sich diese Künstler sowohl positiv definieren als auch von ihren Gegner deutlich abgrenzen. Als Teil des Inhalts und der Form des avantgardistischen Ausdrucks trägt die Komik nicht nur zu einer unkonventionellen Charakterisierung, sondern auch zur aktiven Provokation bei.
Die für die Verbreitung und Verteidigung der eigenen Ideen bewußt gewählten Komik-Formen haben gleichzeitig angreifende und verteidigende Funktionen: Parodie und Karikatur helfen dabei, jeden Gegner lächerlich zu machen und symbolisch auszuschalten. Durch ihr Verhalten geben sich jedoch Futuristen, Dadaisten und Surrealisten wiederholt dem öffentlichen Spott preis: Sie werden selbst von Außenstehenden und sogar von Mitstreitern leicht ironisch bis gnadenlos satirisch angegriffen. Die Reaktion der bloß gestellten Avantgardisten gestaltet sich je nach Persönlichkeit unterschiedlich und reicht von der überlegenen Selbstironie bis zur sarkastischen Polemik.
Mit der Bewunderung namhafter Komiker und sogar der ausdrücklichen Anerkennung deren Seelenverwandtschaft mit der eigenen Avantgarde beweisen Futuristen, Dadaisten und Surrealisten eine Kompatibilität ihrer Ästhetik mit der Komik auf einer weiteren Ebene. Der Kreis „Avantgarde und Komik“ schließt sich, wenn die Künstler ihre favorisierten Komiker (Petrolini, Chaplin, Keaton, die Marx Brothers) als Vorbild betrachten und unter ihren Eindruck avantgardistische Kunst produzieren.
Abstract Avant-Garde and Comic - Between Fine and Performing Arts
In the Futurist, Dada and Surrealist movements the comic is very much in the foreground: the avant-garde tend to consider art and culture a game and take humour, jokes, laughing and fun seriously. The historical avant-garde see various forms of comic as ideologically and stylistically close to their aesthetics in all sectors of artistic activity: literature, painting, sculpture, theatre, cinema. The heroes and models of the avant-garde are therefore circus clowns and music-hall comedians as well as the most popular slapstick actors. Ironic manifestos, satirical verses and sarcastic writings characterise the literature of Futurism, Dada and Surrealism. Amusing pictures, sheer caricatures, eccentric games don't need to be sought out in the work of the avant-garde, they are conspicuous in their production.
The Futurists, Dadaists and Surrealists were theoretically and practically very intensively concerned with the comic. In spite of their esthetical differences, all three avant-garde movements contain certain comic motives and have fields in common. Through their own use of comic these artists intend to simultaneously define themselves and mark off their enemies. As part of the content and form of avant- garde expression the comic contributes not only to an unconventional characterization but also to an active provocation.
The forms of comic specially chosen to disseminate and defend their own ideas have offensive and defensive functions: parody and caricature support the making every adversary ridiculous and symbolically shutting him up. But through their behaviour the Futurists, Dadaists and Surrealists exposed themselves repeatedly to public mockery: they are attacked by both those external to and within the avant-garde, from light irony to satire without mercy. The reaction of the derided avant-garde differs from personality to personality and ranges from superior self-irony to sarcastic polemic.
With their admiration of famous comedians and even the explicit acknowledgement of their spiritual kinship, the Futurists, Dadaists and Surrealists prove the compatibility of their aesthetics with the comic on a further level. The circle "avant-garde and comic" is complete when the artists take their favourite comedians (Petrolini, Chaplin, Keaton, the Marx Brothers) as a model and produce avant- garde art under this influence.
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Sonstiges Internet-Seite der Autorin
Ein Auszug aus dieser Dissertation wurde in folgendem Band veröffentlicht:
Scherer, Ludger und Rolf Lohse: Avantgarde und Komik, Amsterdam: Rodopi, 2004. (Donatella Chiancone-Schneider: "Futurismus und Komik", ebd., S. 75 ff.).
© Universitäts- und Landesbibliothek Bonn | Veröffentlicht: 2005