Chinesische Chan- und tibetische rDzogs chen-Lehre: eine komparatistische Untersuchung im Lichte des philosophischen Heilskonzeptes ,Nicht-Vorstellen‘ anhand der Dunhuang-Dokumente des chinesischen Chan-Meister Wolun und des Werkes bSam gtan mig sgron des tibetischen Gelehrten gNubs chen Sangs rgyas ye shes

Carmen Meinert

Zusammenfassung

 

In der vorliegenden Arbeit werden zwei buddhistische Traditionen betrachtet, die in der Entwicklung des Buddhismus in Zentralasien und Tibet zwischen dem 7. und 9. Jahrhundert eine entscheidende Rolle spielten: der chinesische Chan-Buddhismus und die tibetische rDzogs chen-Lehre. Gerade terminologische Ähnlichkeiten beider Traditionen, die sich aus der Natur der Sache ergeben, einen unmittelbaren Weg des Erkennens im buddhistischen Heilsgeschehen zu betonen, und besondere historische Ereignisse gaben in der tibetischen Tradition Anlaß zu heftigen doktrinären Auseinandersetzungen und Spekulationen darüber, ob die rDzogs chen-Lehre vom chinesischen Chan- Buddhismus beeinflußt worden sei oder gar hier ihre Ursprünge habe. Derartige Diskussionen sind deshalb auch eingebettet in eine sich über mehrere Jahrhunderte erstreckende und kulturübergreifende Diskussion über polare Ansichten im buddhistischen Erkenntnisprozeß: (1) die Methode des unmittelbaren, direkten Erkennens auf dem buddhistischen Erlösungsweg und (2) die des mittelbaren Erkennens über graduelles Kultivieren.

Diese Auseinandersetzung um die polaren Strömungen spielte sowohl in der Entwicklung des chinesischen Chan-Buddhismus als auch in der des frühen tibetischen Buddhismus eine entscheidende Rolle. In der vorliegenden Studie wird exemplarisch der im Dunhuang-Gebiet in Zentralasien verbreitete Chan- Buddhismus anhand der Lehre Meister Woluns (ca. 545-626) veranschaulicht. Die Inhalte der rDzogs chen-Lehre werden entsprechend der Ausführungen des von gNubs chen Sangs rgyas ye shes im 9. Jahrhundert verfaßten Werkes bSam gtan mig sgron [Leuchte des Auges der Meditation] dargestellt. Als gedanklicher Knotenpunkt, welcher beide Lehrsysteme in dieser frühen Zeit zu verbinden schien, wird das philosophische Heilskonzept ,Nicht- Vorstellen‘ (wu fenbie, rnam par mi rtog pa) interpretiert, so daß sich schließlich eine Gegenüberstellung der beiden Traditionen aus dem Verständnis von ,Nicht-Vorstellen‘ ergibt.

Danksagung
Die vorliegende Arbeit wurde mit der Hilfe vielseitiger finanzieller Unterstützung ermöglicht. Bedanken möchte ich mich bei der Graduiertenförderung des Landes NRW an der Universität Bonn für ein halbjähriges Stipendium (1997), bei dem DAAD in Bonn für eine zweijährige Förderung (1997-1999) im Rahmen eines Studienaufenthaltes an der Peking Universität (V.R. China) und bei der Chiang Ching-kuo Foundation for International Scholarly Exchange in Taibei (Taiwan) für eine einjährige Unterstützung (1999-2000).

Mein Dank gilt zahlreichen Lehrern, die mein Studium unterstützten und diese Doktorarbeit zu verschiedenen Zeiten inhaltlich betreut haben: mein Doktorvater Prof. Dr. Wolfgang Kubin (Sinologisches Seminar, Universität Bonn), den Ko-Korrektor Prof. Dr. Jens-Uwe Hartmann (Institut für Indologie und Iranistik, Universität München), Herrn Geshe Pema Tsering (Zentralasiatisches Seminar, Universität Bonn), Prof. Lou Yulie (Philosophisches Seminar, Peking Universität), Prof. Wang Yao (Minderheiten-Universität Peking), Thubten Chödar (Institut für Tibetologie, Peking) und Dorje Tashi Rinpoche, Khanpo Sherab und dem mittlerweile verschiedenen Khanpo Chödrak Rinopche vom klösterlichen Studienkolleg in Lhagang, Sichuan.

Ferner danke ich vielen wunderbaren Freunden für ihre Unterstützung: Zhan Ru, Rui Magone, Hans Feger, Hu Yihong, Andy Szesny, Wu Wei, Jutta Heinicke, Matthias Otting, Khanpo Tashi, Lin Jing, Helga Weihs, Bianca Horlemann, Mark Seibold, Herrn Tam Shek-wing, Henry C. H. Shiu, Wilhelm Künsting, meiner Familie, Ksedok Rinpoche und Sherab Lhamo.

C.M.

Birken-Honigsessen, im Mai 2007

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© Universitäts- und Landesbibliothek Bonn | Veröffentlicht: 2004