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Philosophische Fakultät - Jahrgang 2004

 

Titel Über das Symbol des Todes in Thomas Bernhards Lyrik
Autor Tschae-Bong Noh
Publikationsform Dissertation
Zusammenfassung Manche Leute denken, dass Thomas Bernhard nur Romane und Dramen geschrieben hat. Aber er hat sein schriftstellerisches Leben als Lyriker begonnen. Durch Romane und Dramen war er bekannt worden, aber seine Literatur war schon in seiner Lyrik vollendet worden. „Auf der Erde und in der Hölle (1957)“, „In hora mortis (1958)“, „Unter dem Eisen des Mondes (1958)“, „Die Irren Die Häftlinge (1962)“, „Ave Vergil (1981)“: Das sind seine Gedichtbände. Ab Mitte der 1950er begann er seine Werke zu schreiben. Einen Aspekt von Bernhards literarischer Entwicklung in den fünfziger Jahren machte Wiener Avantgarde aus. Er hat auch den Expressionismus, die Lyrik Trakls und die französische Moderne in seinem lyrisch-pathetischen Weltempfinden und Ausdruckzwang aufgenommen. Bis zum Tod (1989) führte Thomas Bernhard ein unglückliches, verstörtes Leben. Nach einer schweren Erkrankung war er in eine Verzweiflung über den Tod der ihm nahe stehenden Familien geraten. In so einem Zustand tat er sich sehr schwer, einen positiven Gedanken zu fassen. Der Tod umfing sein Leben. Die furchtbaren, in der kurzen Selbstbiographie nur konturenhaft angedeuteten Lebenserfahrungen Bernhards schienen in dessen Lyrik ihren direktesten Niederschlag gefunden zu haben. Dieser Aspekt des Persönlichen wird durch das Vorherrschen der Ich-Perspektive in Bernhards Gedichten besonders betont. Das Leben von Bernhard ist ohne Übertreibung in die Werke projiziert worden. Er bemühte sich darum, seine Gefühle richtig in Worte umzusetzen.
Wie in den Romanen und Dramen behandelt er auch im lyrischen Werk der Tod nicht nur als Thema, sondern auch als Leitmotiv, das sich in der Stimmung des lyrischen Ichs zeigt, die bedingt ist durch Traurigkeit, Qual, Einsamkeit, Krankheit, und Naturempfindung. Die Ursache lag in seiner unglücklichen Kindheit. Sein Leben von 8 bis 19 Jahren hat er in fünf Romanen autobiographisch beschrieben: „Die Ursache; Eine Andeutung (13-15 Jahre, 1975)“, „Der Keller; Eine Entziehung (15-17 Jahre, 1976)“, „Der Atem; Eine Entscheidung (17-18 Jahre, 1978)“, „Die Kälte; Eine Isolation (18-19 Jahre, 1981)“, „Ein Kind (8-13 Jahre, 1982)“. In der Lyrik reflektierte Bernhards Lebensgeschichte der fünf autobiographischen Romanen wie in einem Spiegel. Zwischen Land und Stadt, Familie und seinem Selbst, der Welt bzw. Europa und Österreich stand Bernhard in seiner früheren Lyrik. Er behandelte ein anti-österreichisches Gefühl, das er in den Werken als Form der tödlichen Landschaft vertrat. Er verwendete häufig viele farbige Wörter wie schwarz, grün, rot, weiß, grau, violett als Ausdrucksmittel im Gedicht. Diese akzentuierten Ausdrucks- und Stimmungselemente der Aussage des lyrischen Ichs über Krankheit und Tod.
Der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt darin, den symbolisierten Tod als Hauptthema in Bernhards Lyrik zu untersuchen. Der Tod, auch die Krankheit sind für Bernhard ein Teil der Natur. Im Zusammenhang seiner Erfahrungen hat Natur für ihn in jeder Form eigene symbolische Bedeutungen angenommen, und die Symbole gehören zu der Kategorie von Tod und Krankheit. Im Todesbewusstsein fühlt das lyrische Ich entgegengesetzte Gefühle, die auf der einen Seite negative, auf der anderen Seite positive sind: negative, weil das lyrische Ich dem Tod körperlich und auch seelisch nicht entrinnen kann, positive, weil ihm der Tod eine Erleichterung im qualvollen Leben bedeutet. Aus dem Widerstand gegen sein Selbst hat Bernhard seine Werke geschrieben. Seine alltägliche Sprache ist seine dichterische Sprache und sein Lebensmotto ist auch sein dichterisches Motto. Er fand einzig in seinen Werken den Weg, der ihn vor seinem unglücklichen Leben gerettet hat. Das Schreiben war ihm eine mathematisch klare Antwort auf sein kompliziertes Leben.
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© Universitäts- und Landesbibliothek Bonn | Veröffentlicht: 2004