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Philosophische Fakultät - Jahrgang 2003

 

Titel >Tempora triumphant<
Ikonographische Studien zur Rezeption des antiken Themas der Jahreszeitenprozession im 16. und 17. Jahrhundert und zu seinen naturphilosophischen, astronomischen und bildlichen Voraussetzungen
Autor Karen Sabine Meetz
Publikationsform Dissertation
Zusammenfassung Warum wird aus Text Bild? Am Beispiel des im sechzehnten und siebzehnten Jahrhundert neu auftretenden Bildtypus der triumphalen Jahreszeitenprozession kann diese Frage exemplarisch erörtert werden. Am Anfang des hier nachgezeichneten Weges steht die Schilderung einer pompa temporum, die sich in dem berühmten Lehrgedicht „De rerum natura“ von Titus Lucretius Carus findet. Dieses geschlossene poetische Bild hat den Charakter einer Ekphrasis. Die Idee, die Jahreszeiten in einem Zug vorüberschreiten zu lassen, verbindet zyklische und lineare Zeitkonzepte und mag darum die humanistische Epoche in besonderem Maße interessiert haben. Die vorliegende Dissertation hat sich zum Ziel gesetzt, dem Werdegang dieser Bilderfindung zu folgen, ihre Durchsetzungsfähigkeit zu bemessen und die naturphilosophischen, literarischen und künstlerischen Voraussetzungen für ihre Entstehung zu klären. Einblicke in die antike Kosmologie, in das Kalenderwesen und seine Reformen sowie Überlegungen über die unvollendet gebliebenen „Fasti“ des Ovid und deren Stellung im Humanismus, geben der Behandlung des Stoffs hierfür das stützende argumentative Fundament.
Es wird gezeigt, daß sich das neue Bildthema im Kreis der Schüler von Albrecht Dürer entwickelt hat, wofür die aus Italien mitgebrachte „Hypnerotomachia Poliphili“ Impulse gab. In der Rezeption ist ein südniederländischer Zyklus aus Riesenholzschnitten, der das Monogramm des Formschneiders „AP“ und das Datum „1537“ trägt, wegen seines gestalterischen und ikonographischen Reichtums besonders hervorzuheben. Die vielfältigen Erscheinungsformen der jahreszeitlichen Sinnbildlichkeit sind hier, darin einem gelehrten Florilegium vergleichbar, zu enzyklopädischer Breite ausgefächert worden. Die Mittelpunktfunktion dieser Drucke wird auch aus ihrer internationalen Verbreitung in Kopienfolgen und Variationsreihen ersichtlich. Der interpretative Fokus dieser Arbeit richtet sich darum auf diesen bis dato analytisch nicht befriedigend erfaßten Zyklus. Der künstlerische Entwurf wird Bernard van Orley gegeben, der in Brüssel als Hofmaler der Statthalterin Margarethe tätig gewesen war. Ursprünglich dürften diese Jahreszeitentriumphe von 1537 einmal als monumentale Wandteppichfolge konzipiert worden sein, worauf wenigstens ein erhaltenes Exemplar hinweist. Was nun das Verhältnis zu den süddeutschen Vorläufern betrifft, ergab die Quellenuntersuchung der in ihrer Entwicklung eng zusammenhängenden Zyklen, daß nicht etwa stumpf reproduziert, sondern mit Überlegung ergänzt, verändert und korrigiert worden waren. Es war damit eine aemulative Konkurrenzsituation entstanden, innerhalb derer sich nur die plausibelste und variationsreichste Bilderfindung hat durchsetzen können.
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© Universitäts- und Landesbibliothek Bonn | Veröffentlicht: 2003